Film : Mein Hochhaus kommt groß raus

Sido kann auch Kino: Özgür Yildirims Komödie „Blutzbrüdaz“ erzählt von einer Rapper-Freundschaft, mit Sido und B-Tight in den Hauptrollen.

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Aufsteiger. Der Erfolg bringt schicke Klamotten und Ärger. Foto: Constantin
Aufsteiger. Der Erfolg bringt schicke Klamotten und Ärger. Foto: Constantin

Philip verkauft jetzt Turnschuhe, statt Beats zusammenzubasteln oder hinter Plattentellern zu stehen. „Deutschen HipHop will doch heute niemand mehr hören“, sagt der DJ (Florian Renner). Seine Diagnose stimmt: Im Jahr 2000 ist deutschsprachiger HipHop am Ende. Die Pioniere aus Stuttgart und Hamburg haben ihren Zenit überschritten, Thronfolger sind nicht in Sicht. Doch das ist den beiden Berliner Rappern Otis (Sido) und Eddy (B-Tight) egal. Sie glauben noch an HipHop und wollen unbedingt groß rauskommen. Dafür brauchen sie Philip, der eine Drum Machine mit Tapedeck hat. Allerdings ist sein Mikro Mist, es muss dringend ein neues her. Kleingangster Adal (Alpha Gun) verspricht Hilfe, was auf einen gemeinsamen Diebstahl hinausläuft.

Die chaotische Klau-Szene, in der ein Ablenkungsmanöver mittels dilettantischer Wolfgang-Petry-Coverversion eine zentrale Rolle spielt, ist typisch für den Humor von Özgür Yildirims „Blutzbrüdaz“. Frechheit, Witz und Charme ergeben eine stimmige und kurzweilige Mischung. Das gilt auch für den Rest des Films, der einige Parallelen und Anspielungen auf Sidos eigene Karriereanfänge enthält.

Es war um die Jahrtausendwende, als er eine Totenkopfmaske aufsetzte und mit krassen Reimen über seinen Block neben Bushido zum Aushängeschild des Labels Aggro Berlin aufstieg. „Mein Hochhaus“ heißt ein Song im Film, der jedoch in erster Linie von einer Freundschaft erzählt, die am einsetzenden Erfolg zerbricht. Vieles daran ist absehbar, wie etwa die fiesen Pläne des Major-Label-Managers oder die Liebesgeschichte zwischen Otis und der Plattenfirmen-Mitarbeiterin Jasmin (Claudia Eisinger). Das stört aber nicht, denn Flow und Rhythmus stimmen.

Hinzu kommt, dass Otis und Eddy eine sympathische Trottelhaftigkeit ausstrahlen. Sie sind keine coolen Gangsta-Typen, sondern kommen eher wie dauergrinsende Lausbuben in Kapuzenpullis rüber. So sind auch ihre Spontan-Raps über Leute, die unmittelbar vor ihnen stehen, nie allzu böse. Die härteste Zeile des Films lautet „Mund auf, Schwanz rein“ – eine Reminiszenz an die prollige Frühphase der Ära Aggro Berlin.

„Chico“-Regisseur Yildirim lässt es in Sachen Sex, Gewalt und Drogen angenehm gemäßigt angehen. Er vertraut den Gags der „Blutzbrüdaz“ und muss nicht auf Prügeleien oder Gelaber über Respekt setzen wie das verkorkste Bushido- Biopic „Zeiten ändern dich“ vor einem Jahr. Zwar haben die beiden alten Rap-Konkurrenten sich inzwischen vertragen und kürzlich sogar zusammen ein Album aufgenommen, doch sie spielen nicht mehr in derselben Liga. Sido hat Bushido abgehängt. Er hat sich entwickelt, statt immer weiter den harten Kerl von der Straße zu mimen. Jetzt kann man sogar mit der ganzen Familie in seinen Film gehen und über ihn lachen. Toll.

In zwölf Berliner Kinos

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