Film: "Mit besten Absichten" : Einmal Mutti, immer Mutti

Im Film „Mit besten Absichten“ spielt Susan Sarandon eine Mutter, die nicht loslassen kann. Und die Tochter ist schon Mitte 30.

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Nur wir zwei. Witwe Marnie (Susan Sarandon) und ihre Tochter Lori (Rose Byrne).
Nur wir zwei. Witwe Marnie (Susan Sarandon) und ihre Tochter Lori (Rose Byrne).Foto: Sony Pictures

Geld hat sie und eine Tochter in Los Angeles – was liegt da näher für die frisch verwitwete Marnie, als New York zu verlassen und an die Westküste zu ziehen, wo zumindest das Klima fantastisch ist? Zu tun gibt es eigentlich auch genug, denn ihre Tochter Lori, eine Drehbuchautorin, kommt allein nicht so richtig klar – findet jedenfalls Marnie. Und so steht sie bereits am frühen Morgen bester Laune mit einer Tüte Bagels bei Lori auf der Matte und lässt sich auch gleich selbst herein, denn sie hat ja einen Schlüssel. Hunde, Bonsai, Ex-Freund, Kühlschrank: Nichts ist vor Marnies mütterlicher Fürsorge sicher, und so ist Lori, immerhin Mitte 30, ganz froh, als sie für eine Weile nach New York muss, um dort zu drehen. Dass Marnie mitkommt, „weil ich ja sowieso längst einmal meine Schwägerin besuchen sollte“, verbittet sich Lori nachdrücklich.

Marnie fällt in ein Loch, weil sie noch immer nicht begriffen hat, dass ihre Tochter erwachsen ist und gut auf sich selbst aufpassen kann, wenn auch vielleicht anders, als sie selbst es für richtig hält. Nun geht es darum, was eine lebenslustige, gesunde, patente Frau Mitte 60 anfangen soll mit ihrer Bescheidwisserei und ihrem Fürsorgetrieb. „The Meddler“, die Einmischerin, heißt dieser Film im Original, was den Inhalt besser beschreibt als der lahme deutsche Titel „Mit besten Absichten“. Wo also kann Marnie ihre Fähigkeiten einbringen, ohne dass sie nervt? Was bringt sie vielleicht sogar dazu, ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen und zu schauen, wo es hingeht?

Feelgood-Movie für die Baby-Boomer

„Mit besten Absichten“ ist allerschönstes Formelkino, ein Feelgood-Movie für die Generation der Baby-Boomer, die Susan Sarandon seit der „Rocky Horror Picture Show“ (1975) kennt und sich darüber freut, dass ihre Figur Marnie ihren Mann einst in Atlantic City kennengelernt hat, wie sie einmal erzählt. „Atlantic City, USA“ (1979) wiederum ist einer von Sarandons frühen Filmen, und sie spielt darin eine Kellnerin, die sich in einen Spieler (Burt Lancaster) verliebt. Das könnte die junge Marnie gewesen sein – und wäre der Mann nicht so viel älter gewesen als sie, wäre sie jetzt vielleicht keine Witwe.

Sarandon gehört sozusagen zur Familie, und da sie eine wunderbare Schauspielerin ist, erklärt sich ganz von selbst, warum sich ihre Marnie überall einmischen muss. Warum sie glaubt, sich die Erlaubnis zur Einmischung kaufen zu können – und warum sie dann doch sehr zurückhaltend ist, als ein Zufallsbekannter ihr den Wunsch signalisiert, dass sie sich ein wenig um ihn kümmert. Dieser Mann, ein ehemaliger Polizist, der eine Harley-Davidson fährt und Country-Songs zur Gitarre singt, ist auch so eine Figur, die man sofort in die Familie aufnehmen würde, aber ganz so schnell geht es dann eben doch nicht.

Und am Ende auch noch musikliebende Hühner

Lorene Scafaria, die Regisseurin dieses munteren Generationenfilms, hat auch das Drehbuch geschrieben, und womöglich hat sie Marnies Tochter Lori (Rose Byrne) nicht nur namentlich nach ihrem eigenen Vorbild angelegt. Man müsse härter als jeder andere arbeiten, Drehbücher lesen, Filme anschauen, anderen Scriptautoren helfen und wahrscheinlich nach Los Angeles ziehen, empfiehlt die Regisseurin jüngeren Kollegen. Vielleicht hat dieses Rezept gewirkt oder einfach ihr thematisches Gespür: Mit Hochzeiten und Todesfällen, Generationenclash, Sinnfrage und ein bisschen Liebe im fortgeschrittenen Alter macht man gegenwärtig wenig falsch. Und wenn dann noch schöne Schauplätze im Golden State Kalifornien dazukommen und ein paar italienischstämmige Verwandte, die natürlich alle durcheinanderreden, außerdem musikliebende Hühner und ein ordentlicher Marihuana-Rausch, dann ist das Kinoglück perfekt. Insgesamt steckt in dieser Konstellation ein bisschen viel Klischee – aber Lorene Scafaria gelingt es, sie mit sehr leichter Hand zu inszenieren.

In Berlin im Cinema am Walther-Schreiber-Platz, Cinemaxx, Cinestars Tegel, Cinestar Treptower Park und UCI Eastgate

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