Filmkritik: "A Long Way Down" : Schöner Sterben

Selbstmord als Sujet für eine Komödie? Kein Problem, wenn die Geschichte mit einer Prise "british humour" angegangen wird. Die Figuren des Romans „A Long Way Down“ mögen zwar grob gemeißelt sein - doch der Film dazu hat nun die richtigen Darsteller zur Hand.

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Schluss mit Frustig: Pierce Brosnan, Imogen Poots und Toni Collette (von links)
Schluss mit Frustig: Pierce Brosnan, Imogen Poots und Toni Collette (von links)Foto: DCM

Mit einem Sprung vom Hochhaus will Martin Sharp (Pierce Brosnan) seinem Leben ein Ende setzen. Der abgehalfterte Talkmaster zündet sich eine letzte Zigarette an und blickt auf die Skyline Londons. Blöd nur, wenn man den beliebtesten Selbstmordort der Stadt gewählt hat und mit der Silvesternacht auch noch den populärsten Zeitpunkt. „Ich hätte es wissen müssen“, murmelt Sharp: Drei weitere Lebensmüde hatten denselben Plan.

Kaum ein Thema taugt weniger zur Komödie als der Selbstmord, möchte man meinen. Doch eilt den Briten der Ruf voraus, derlei Gebote des Anstands mit einem speziellen sense of humour zu übergehen. Zudem basiert „A Long Way Down“ auf einer Romanvorlage von Nick Hornby, dem beliebtesten englischen Popliteraten.

Neben Martin Sharp haben die weltentrückte Hausfrau Maureen (Toni Collette), Politikertöchterchen Jess (Imogen Poots) und der verhinderte Rockstar JJ (Aaron Paul) das Hochhausdach erklommen. Kurz darauf schließt das Quartett einen Pakt: Bis zum Valentinstag sechs Wochen später will man am Leben bleiben und aufeinander achtgeben. Fortan köchelt und brodelt es zwischen den Charakteren – beim gemeinsamen Kampf gegen die sensationsgierige Boulevardpresse wie beim Strandurlaub in Spanien.

Mögen die Figuren in Hornbys Roman recht grob gemeißelt sein – die Kinoadaption von Pascal Chaumeil überzeugt mit einer stimmigen Besetzung. Pierce Brosnan spielt Martin Sharp mit viel bondhafter Schnöseligkeit und ein wenig Larmoyanz, wenn es um um sein verpfuschtes Leben geht. Den größten Spaß aber bereitet Imogen Poots: Als spätpubertär ichsüchtige und zugleich tragisch unverstandene Wohlstandsrebellin entfaltet sie sehenswert kratzigen Charme. So umgeht „A Long Way Down“ – bei aller Berechenbarkeit der Handlung – sowohl Pathos als auch Klamauk. Und, siehe da, ab und an blitzt noch etwas anderes auf: Poesie.

11.2., 19 Uhr (HdBF), 16.2., 18 Uhr (Cubix 8)

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