Filmstart: "Dior und ich" : Monsieur im Feenland

Frédéric Tcheng fängt in seiner Dokumenation über das Modehaus und seinen Chefdesigner Raf Simons einen Ort fern der Wirklichkeit ein - und lässt viele Fragen offen.

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Nach unzähligen Entwürfen dann die Anprobe. Szene aus "Dior und ich".
Nach unzähligen Entwürfen dann die Anprobe. Szene aus "Dior und ich".Foto: CIM Productions/NFP/dpa

Acht Wochen hat der Modedesigner Raf Simons Zeit, um seine erste Kollektion für das Haus Dior fertigzustellen, dessen Kreativdirektor er soeben geworden ist. Acht Wochen vom ersten Entwurf bis zur letzten gestickten Perle auf einem Abendkleid – da gilt es, den Stil des Hauses zu respektieren und ihm zugleich eine persönliche Note zu verleihen.

Der Dokumentarist Frédéric Tcheng hat für „Dior und ich“ mit einem kleinen Team die Produktion und Präsentation der Frühjahrskollektion 2012 begleitet. Entstanden ist ein aufregender und anrührender Film, dessen atemloser Rhythmus dem realen Zeitdruck entspricht, dem alle Beteiligten ausgesetzt waren. Ergänzt ist das Material durch Archivaufnahmen aus Diors Leben. In seiner 1956 veröffentlichten Autobiografie „Christian Dior et moi“ beschreibt der legendäre Modeschöpfer, wie sehr er sich im Privaten von der öffentlichen Person unterscheidet: „Ich mag all die einfachen Dinge im Leben, ich hasse Lärm, Geschäftigkeit und plötzliche, gewaltsame Veränderungen.“

Ein Designer, der nicht selbst zeichnet

Die Übernahme des Buchtitels spielt auf eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Dior und Simons an – und darauf, wie Simons dem Vorbild gerecht werden will. Das Haus Dior in der Pariser Avenue Montaigne wurde 1946 eröffnet, seither greifen die Rädchen dieser Maschine reibungslos ineinander. Die Chefdirektrice kann nichts erschüttern, die Assistenten erfüllen die extravagantesten Wünsche, und die teils seit 40 Jahren bei Dior beschäftigten Näherinnen sind auf Nachtschichten eingestellt. Trotzdem erstaunt es, wie Simons’ Ideen überhaupt Gestalt annehmen können: Übersetzerin, Zeichner, Mustermappen und Fotos helfen zwar, aber der Belgier, immerhin in die Top-Liga der Modedesigner aufgestiegen, skizziert seine Entwürfe nicht einmal selbst.

„Dior und ich“ lässt viele Fragen offen, und das ist insofern charmant, als die Ateliers und Werkstätten ohnehin einem Zauberreich gleichen. Es ist bewohnt von unzähligen Feen, die mit leichter Hand und viel Geduld nähen, sticken und sticheln und dabei auch noch gute Laune haben. Bloß Raf nennen sie den neuen Chef nicht – „wir sprechen jeden mit Monsieur an“, erklärt die Chefdirektrice resolut. Zur Schau selbst entsteht dann in einem Pariser Stadtpalais ein Dekor von atemberaubender Schönheit – und Vergänglichkeit.

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