Filmwelt : Hollywoodglanz zum Mexikanertarif

Wenn Hollywood-Blockbuster in Deutschland produziert werden, ist das meistens das Ergebnis knallharter Kalkulation: Deutsche Filmschaffende gelten als billige Arbeitskräfte. Projekte wie Tom Tykwers neuer Film wollen der systematischen Ausbeutung entgegenwirken.

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Hollywood-Blockbuster mit deutscher Beteiligung. Im Studio Babelsberg drehte schon Roman Polanski für den Film "Der Pianist"...Alle Bilder anzeigen
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12.09.2011 14:56Hollywood-Blockbuster mit deutscher Beteiligung. Im Studio Babelsberg drehte schon Roman Polanski für den Film "Der Pianist"...

Am heutigen Montag beginnen im Studio Babelsberg die Dreharbeiten zu dem Megaprojekt „Wolkenatlas“. Die vielfach verschlungenen Episoden des gleichnamigen 700-Seiten-Romans von David Mitchell umfassen einen Zeitraum von fast 700 Jahren und driften tief ins Sciencefictionhafte. Um die Materialmenge in den Griff zu kriegen, wird der Film parallel von zwei Teams gedreht, angeführt von Tom Tykwer und den Brüdern Andy und Lana Wachowski.

Dafür bringen die Regisseure ihre langjährigen Produzenten mit: X-Filme-Geschäftsführer Stefan Arndt ist ein enger Partner Tykwers seit dessen Debüt „Die tödliche Maria“. Der Australier Grant Hill, der bereits „Titanic“ verantwortete, produziert die Wachowski-Filme seit den legendären „Matrix“-Sequels.

Auch die Besetzung ist megaprominent: Für die Hauptrolle wurde Tom Hanks verpflichtet, in weiteren Rollen sollen Susan Sarandon, Ben Wishaw und Halle Berry zu sehen sein. Hinzu kommen für europäische Verhältnisse schwindelerregend hohe Kosten: Rund 100 Millionen Euro soll der Film verschlingen. Ob er damit die teuerste deutsche Produktion aller Zeiten ist, hängt davon ab, wie man die sechs Millionen Reichsmark umrechnet, die 1927 für „Metropolis“ ausgegeben wurden.

Sehr viel mehr ist über das Projekt in diesem Stadium nicht zu erfahren, neugierig aber macht es allemal. Tatsächlich ist die Zeit reif für einen neuen deutschen Blockbuster. Zumal sich das Studio Babelsberg seit Beginn des Jahrtausends zu einem Anziehungspunkt für Großproduktionen entwickelt hat, von Polanskis „Pianist“ über Tarantinos „Inglourious Basterds“ bis zu Roland Emmerichs Shakespeare-Film „Anonymous“, der im November ins Kino kommt. Der lautstarke Jubel darüber, dass Deutschland bei internationalen Produktionen wieder eine Rolle spielt, begleitet seit Jahren alle größeren Filmpremieren und Festivals.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Ungerechtigkeiten bei deutschen Drehorten üblich sind.

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