Kultur : Forever Hippie

Hübsch: „Copacabana“ mit Isabelle Huppert.

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Foto: realfictionfilme
Foto: realfictionfilme

Über 100 Filme hat Isabelle Huppert in den 40 Jahren seit ihrem Debüt gedreht, und zweifellos hat sie es vor allem ihrer fragilen Statur zu verdanken, dass man ihr das fortgeschrittene Alter kaum anmerkt. Auch wenn sie neuerdings häufig Mütter spielt, gern leicht überdrehte, weil sie sich aufs Neurotisch-Egomanische nun einmal besonders gut versteht. Zuletzt kamen „Mein liebster Albtraum“ und „I’m not a F**king Princess“ ins Kino, die das Spektrum ihrer Mütterlichkeit markieren: Exzentrik, Geldgier und falsch verstandenes Künstlertum führen zur Ausbeutung der Tochter in „Princess“. Und in „Albtraum“ sind es beruflicher Ehrgeiz und soziale Inkompetenz, die zur Vernachlässigung des Sohnes führen.

„Copacabana“ liegt dazwischen: Huppert spielt Babou, eine Art Ex-Hippie. Sie ist noch immer nicht in der Realität angekommen – dabei hat sie eine Tochter großgezogen, die nun bei der bevorstehenden Heirat ihre Mutter ausdrücklich nicht dabeihaben will. Dass die Darstellerin der Tochter, Lolita Chammah, im wahren Leben Hupperts Sprössling ist, mag nur diejenigen wundern, die sich Huppert beim besten Willen nicht als Mutter vorstellen können,

Im tristen, kalten Ostende an der belgischen Küste spielt der größte Teil des Films. Dorthin ist Babou nach dem Streit mit ihrer Tochter geflohen, um wieder einmal zu jobben – es gilt, Anteile von Ferienwohnungen in riesigen Wohnsilos zu verkaufen und die Appartements und die Gesamtwetterlage möglichst schönzureden. Das gelingt Babou – vielleicht weil sie mit rot gefärbter Bienenkorb-Frisur, reichlich Make-up und bunten Kleidern der einzige Farbtupfer zwischen Betonklötzen und Meer ist und trotz aller Unwirtlichkeit das Leben leicht nimmt. Ihre Vitalität wirkt ansteckend auf potenzielle Käufer, Vorgesetzte und Einheimische. Da darf, da kann, da wird doch wohl, drehbuchtechnisch, nichts mehr schiefgehen, der Traum von Brasilien inklusive.

Nachdenklich immerhin stimmt die Generationenfrage, die hinter der Komödie steckt: Sind die heute 25-Jährigen ernster, verantwortungsbewusster und realitätstüchtiger als ihre 50- bis 65-jährigen Eltern? Haben deren Freiheitsdrang, Bindungsängste und Partnerwechsel Kinder hervorgebracht, die sich vor allem nach stabilen Verhältnissen sehnen? Regisseur und Drehbuchautor Marc Fitoussi, selbst eher der Kindergeneration zugehörig, lässt keinen Zweifel daran, wo seine Sympathien liegen. Daniela Sannwald

Cinema Paris, FaF und fsk (alle OmU)

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