"Fortuna Calling" : Galaxis Europa

Unterhaltsames improvisiertes Musiktheater: Roscha A. Säidow inszeniert „Fortuna Calling“ an der Neuköllner Oper.

Tomasz Kurianowicz

Der „Undercover-Roadtrip durch Europa“ an der Neuköllner Oper von Roscha A. Säidow und Bernhard Range hat es in sich: Jacky und Schmidti starten am Berliner Südkreuz, um Europa per Anhalter zu erkunden. Es gilt eine Faustregel: Kreditkarten sind tabu, die Urlaubskasse muss bar gefüllt werden. Daher sind Gitarre und Ukulele im Gepäck. Mit Straßenmusik wollen sich die beiden durch den Urlaub schnorren. Am Anfang beherrschen die Hobbymusiker ganze dreieinhalb Songs. Damit spielen sie an der ersten Station Venedig immerhin 2,40 Euro ein. Zwischendurch müssen sie Schlafplätze organisieren, sich ukrainische Lkw-Fahrer vom Hals halten, böse Polizisten beschwichtigen oder für Bier und Kaffee sorgen. Und so beobachtet man die beiden Abenteurer – abwechselnd gespielt von Franziska Dittrich, Magdalena Roth, Timo Hastenpflug und Johannes Hubert –, wie sie von Stadt zu Stadt, von Ljubljana nach Brüssel tingeln, immer auf der Suche nach einem warmen Bett. Ein Parforceritt, der in den Bann zieht, obwohl die Ausstattung von Julia Plickat aus nicht viel mehr als einigen Videos und angeklebten Bärten besteht. So unterhaltsam kann improvisiertes Musiktheater sein. Die Geschichte wird teils in Dialogen, teils in eigens von Bernhard Range komponierten Songs erzählt. Die Band-Arrangements überzeugen, und die Stimmen treffen ins Mark.

Das alles ist wirklich passiert: Regisseurin Roscha A. Säidow, die den Text geschrieben und die Videos gedreht hat, war im Sommer 2013 mit Gitarrist und Darsteller Timo Hastenpflug per Anhalter unterwegs. Zwischen den Dialogen erinnern Videos daran, was die beiden erlebt haben. Zur großen Krise kommt es erst, als sie in Budapest festsitzen und eine Ungeheuerlichkeit riskieren, die für die Reise-Moral dramatische Konsequenzen hat: Auf einer Bootstour schießen sie sich ab. Bezahlt wird per Kreditkarte. Was jetzt hilft, ist nur eins: Musik!
Wieder 2.7., 8./9.7., 16.7., 24.-27.7.

0 Kommentare

Neuester Kommentar