Fotomesse "Paris Photo Los Angeles" : L.A. auf der Überholspur

Die zweite Ausgabe der „Paris Photo Los Angeles“ begeistert mit hoher Qualität. Und sie beweist, dass die Stadt der Automobile das Zeug zur neuen US-Kunstmetropole hat.

Eva Karcher
Wie gemalt. Tracey Moffatts Foto-Arbeit „Picturesque Cherbourg No. 3“ von 2013 hebt die Wirklichkeit amerikanischer Vorstädte ins Surreale.
Wie gemalt. Tracey Moffatts Foto-Arbeit „Picturesque Cherbourg No. 3“ von 2013 hebt die Wirklichkeit amerikanischer Vorstädte ins...Foto: Courtesy Tyler Rollins Fine Art/VG Bildkunst, Bonn 2014

Hollywood. Jodie Foster war da, Brad Pitt, Jamie Lee Curtis und Udo Kier. In legerer Kleidung und so unauffällig wie möglich schlenderten sie über das Gelände, das sie am besten kennen, die Paramount Picture Studios in Los Angeles mit ihren nachgebauten Häuserkulissen samt Stilzitaten von Neoklassizismus bis Betonbrutalismus, diese kleine Fassadenstadt, herumgebaut um zwei, drei Straßenzüge. Gekommen waren die Stars nicht, um zu arbeiten, sondern um ihren Hunger nach Bildern zu stillen.

Was sie sahen, dürfte ihnen gefallen haben. Denn die zweite Ausgabe der „Paris Photo Los Angeles“ tritt in der Stadt der Automobilität im Gegensatz zur beinahe doppelt so großen Schau im Grand Palais von Frankreichs Hauptstadt im entspanntem Boutiquenformat auf. Die 81 Galeristen und Kunstbuchhändler aus 18 Ländern begeistern mit hoher Qualität, allerdings fehlen in L.A. die auf Vintagefotografie spezialisierten Händler wie Howard Greenberg, Hans P. Kraus oder James Hyman.

Die beiden Messen verhalten sich zueinander wie die Art Basel und ihre Glamschwester in Miami. Wobei der kalifornische Look der Vernissagegäste, darunter Sammler wie Maja Hoffmann, Reina und Kevin Chau oder Sydney Picasso, weniger hysterisch ausfällt. Von den in der Stadt der Engel ansässigen Galerien sind bei Weitem nicht alle auf der Messe. Mit Larry Gagosian hält immerhin der mächtigste zeitgenössische Händler in einer der drei Haupthallen Hof, er präsentiert solide Ware. Zum Beispiel „phg.07“ aus dem Jahr 2013 von Thomas Ruff für 90 000 Dollar (Ed. 3) und gestickte Divenporträts von Francesco Vezzoli (50 000 die Dreier-Auflage, das Unikat 100 000 Dollar). Zeitgleich stellt der Künstler im Museum of Contemporary Art aus.

Rundgang auf der "Paris Photo Los Angeles"
Arbeiten des französischen Fotografen Guy Bourdin.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: dpa
26.04.2014 13:39Arbeiten des französischen Fotografen Guy Bourdin.

Große Räume, günstige Mieten: L.A. wird zum neuen Hot Spot für die Kunst

Einer, der gerade aus New York hierhergezogen ist, der gebürtige Deutsche Thomas von Lintel, bestätigt ein seit kurzem zu beobachtendes Grundrauschen rund um Los Angeles als neuem Hot Spot: „Hier zahle ich zwanzig Prozent weniger für drei Mal so große Räume. New York ist auch für junge Künstler viel zu teuer geworden, die gehen jetzt nach Los Angeles oder Berlin.“ Umgekehrt suchen Galeristen aus der deutschen Hauptstadt wie Sprüth/Magers nach Räumen in Los Angeles. Denn sie und einige ihrer Kollegen finden, dass die Stadt ein hervorragender Ort ist, Künstler zu zeigen, die man wegen der New Yorker Platzhirsche dort nicht präsentieren kann. Kein schlechtes Argument für einen Perspektivwechsel von der Ost- an die Westküste.

Ein zweites Argument sind selbst für Megagalerien wie Hauser & Wirth die günstigeren Preise, wenn es um Erweiterung geht. So planen sie einen nächsten Standort mit Warenhausdimensionen für ihren neuen Partner Paul Schimmel. Damit folgt die Galerie Matthew Marks und Gavin Brown, die bereits Räume in Los Angeles eröffnet haben.

Es spricht also manches für eine glorreiche Zukunft der Paris Photo. Vor allem das „fantastische und kauffreudige Publikum“, wie der in München und London etablierte Galerist Daniel Blau es formuliert – Blau sitzt im Auswahlkomitee der Messe. Hinzu kommen die „exzellenten Sammler“, wie sein Kölner Kollege Thomas Zander sie erlebt hat. Zander zeigt eine großartige Serie von Arbeiten, die Candida Höfer als Hommage an das Werk ihres Freundes On Kawara angefertigt hat. In den Häusern von dessen Sammlern fotografierte sie, wie seine Arbeiten als kleine Zeitkapseln der Vergänglichkeit widerstehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben