Frauen & Quote : Karriere schadet Ihrer Gesundheit!

Frauen, Quote, Arbeitswelt: Mit der aktuellen Diskussion über eine Quote in den Führungsetagen der Wirtschaft wird auch der Backlash-Chor wieder lauter. Teil 4 unserer Serie zur Quoten-Debatte.

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Burnout, Einsamkeit und dicke Füße. Das sind die Kosten der neuen Unabhängigkeit, so die These der Anti-Feministen.
Burnout, Einsamkeit und dicke Füße. Das sind die Kosten der neuen Unabhängigkeit, so die These der Anti-Feministen.Foto: dapd

Wann immer es den Frauen gelingt, ihre gesellschaftliche Lage zu verbessern – oder sich auch nur der Eindruck vermittelt, dies sei der Fall – formiert sich wenig später der Widerstand dagegen. Mit der gerade an Fahrt gewinnenden Debatte um eine Quote in den Führungsetagen der Wirtschaft und der Medien wird darum auch der Chor des Backlashs wieder lauter werden. Gut zu wissen, wie hier gesungen wird.

Vor 20 Jahren hat die amerikanische Journalistin und Pulitzer-Preisträgerin Susan Faludi eindrucksvoll das breite Spektrum der Gegenreaktion und ihrer Mechanismen in ihrem Bestseller „Backlash. The Undeclared War Against American Women“ offen gelegt: In den Medien warnen sogenannte Experten die Karrierefrauen vor den Kosten ihrer neuen Unabhängigkeit – vor Burnout, Haarausfall und Einsamkeit. Journalisten, Fernseh-Soaps und die Werbung rufen unterdessen ohne jeden Beweis einen neuen Trend aus: Frauen wenden sich demnach „immer öfter“ von den Strapazen des Berufslebens ab und finden ihr Glück als hingebungsvolle Mutter und Hausfrau.

Unter anderen Vorzeichen ist die Kakophonie des Backlash auch hier und heute zu hören. Zu den typischen Strategien gehört es, den Feminismus wegen seiner Verdienste für hinfällig und für eine Angelegenheit älterer und unattraktiver Frauen zu erklären, sexistische Sprache und Repräsentationen zu einer normalen Spielart heterosexuellen Flirtens umzudeuten oder der Emanzipation die Schuld am Schulversagen benachteiligter Jungen in die Schuhe zu schieben.

Männer stilisieren sich zu Opfern

Vier ständig wiederkehrende Argumentationsmuster beschreibt Thomas Gesterkamp in seiner Dokumentation für die Friedrich-Ebert-Stiftung „Geschlechterkampf von rechts“ (2010). Das erste Muster basiert auf Biologismen. Die Akteurinnen und Akteure des Backlash berufen sich auf die Genetik, die Hirnforschung oder die Verhaltensbiologie, um gesellschaftliche Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern als „natürlich“ und daher auch als unveränderbar darzustellen. Biologische Unterschiede werden dramatisch aufgeblasen: Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus. Die in der Realität vielfältigen Überschneidungen der Geschlechterrollen werden heruntergespielt.

Mit dem zweiten Argumentationsmuster wird an Opfermythen gestrickt: „Männerrechtler stilisieren ihr Geschlecht pauschal zum Opfer in nahezu jeder Lebenslage“, schreibt Gesterkamp. Sie argumentieren, der „übertriebene Feminismus“ habe den Männern überall das Wasser abgegraben, ob in der Bildung, im Beruf oder in der Familie. Die Männer seien tief verunsichert und steckten in einer Identitätskrise.

Drittens, der Anti-Etatismus. Die Antifeministen polemisieren gerne gegen staatliche Bevormundung und beklagen eine angebliche Verschwendung von Steuergeldern für Gleichstellungsmaßnahmen Die Aufteilung der Aufgaben zwischen Mann und Frau sei eine Privatangelegenheit.

Als viertes in „rechtsintellektuellen Kreisen“ typisches Muster identifiziert Gesterkamp den Gestus des Tabubrechers: „Dieser sonnt sich darin, ,politisch korrekte’ Denkverbote zu missachten und als vorgestrig zu bekämpfen – vor allem, wenn diese vermeintlich von ,68ern’ dekretiert wurden.“ Weil Frauen längst vollständig gleichgestellt sind, muss man sich nicht die freie Rede über sie verbieten lassen, wird argumentiert.

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