Gedenkblatt für Rolf Haufs : Noch einen Augenblick

Ein Gedicht von Rolf Haufs - zur Erinnerung an einen markanten Berliner Dichter.

Juniabschied. Der Dichter Rolf Haufs, aufgenommen am 26.6.2013.
Juniabschied. Der Dichter Rolf Haufs, aufgenommen am 26.6.2013.Foto: Wikipedia/Volker Fadiner

Mit dem folgenden Gedicht, das wir dem 1984 im Rowohlt Verlag erschienenen Band „Juniabschied“ entnehmen, erinnern wir an den Lyriker Rolf Haufs. Der gebürtige Düsseldorfer starb am Freitag, den 26. Juli 2013, mit 77 Jahren in seiner Wahlheimat Berlin, wo er seit 1960 zu Hause war. Haufs war eine der zurückhaltendsten und zugleich markantesten Figuren der deutschen Nachkriegspoesie. Als Landschaftsdichter, der die Erinnerungen an seine niederrheinische Kindheit und Jugend zusehends gegen preußische Gefilde eintauschte, entwickelte er einen unverwechselbaren Ton zwischen Lakonie und Ironie, in dem seine Bewunderung für Gottfried Benn und Georg Trakl nur von ferne anklang. In jeder Idylle versteckte sich für ihn das Tosen der Geschichte, und in der oft nur knapp aufgerufenen Sinnlichkeit seiner Erinnerungsbilder nistete die Wehmut über das allzu Vergängliche. Im Hanser Verlag, wo ein großer Teil seines Werks erschien, veröffentlichte er zuletzt „Tanzstunde auf See“. dotz

Mit nichts fing ich an und seh ich

In mich hinein so kann ich zeigen

Nichts das nicht schon immer

dagewesen ist

Raum für alles was uns

Bewegt woran wir alle

Sterben werden

Wie sollten wir umkehren können

Kurzes Leben. Was erfinden wir

nicht alles

Wie viele Fluchtwege wieviel Tarnung

Wieviel Täuschung wieviel

woran wir alle

Sterben werden

Einer zitiert die Philosophen

Griechenlands

Einer kennt sich aus in den

Gebäuden der Seele. Wie wärmend

Auf einmal die Ströme. Wie weich

Die Züge in den Gesichtern. Wie nah

Ach wie nah woran wir alle

Sterben werden

Ich stelle mir Felder vor

Bedeckt mit gelben Pflanzen

mit Gräsern

Durch die ich tastend vorwärtsgehe

Da irgendwo müsste Ruhe sein

Ich stelle mir vor ich hätte

Noch einen Augenblick Zeit

zu erzählen

Damit du weißt woran ich

Gestorben bin

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