Gedenkkonzert für Komponist Peter Ronnefeld : Der nächste Karajan

Peter Ronnefeld war eine ganz große Begabung, sowohl als Dirigent wie als Komponist. Jetzt erinnert ein Berliner Gedenkkonzert an den brillanten Künstler, der 1965 starb, im Alter von nur 30 Jahren.

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Peter Ronnefeld (1935-1965) Foto: Akademie der Künste
Peter Ronnefeld (1935-1965)Foto: Akademie der Künste

Thomas Bernhard, Herbert von Karajan und Nikolaus Harnoncourt wurden zu prägenden Figuren seiner frühen Berufsjahre. Den Schauspielstudenten Bernhard lernte Peter Ronnefeld 1955 am Salzburger Mozarteum kennen, wo er als Dozent lehrte. Da war der gebürtige Dresdner gerade 20 Jahre alt – und hatte nur noch ein Jahrzehnt zu leben. Ronnefeld darf zu den ganz großen Nachkriegsbegabungen der sogenannten ernsten Musik gezählt werden, als Komponist wie als Dirigent. Früh weiß der Sohn eines Bratschisten der Sächsischen Staatskapelle, dass er professionell Musik machen will: Schon als Teenager zieht er nach Berlin, studiert an der Hochschule der Künste bei Boris Blacher, spielt Horn im RIAS Jugendorchester – und komponiert. Unter anderem die im Zeitungsmilieu spielende Kurzoper „Nachtausgabe“, die dann in Salzburg ihre Uraufführung erlebt, mit Thomas Bernhard in der Sprechrolle des betrunkenen Wachtmeisters Sternhagel.

Drei Jahre später lernt Herbert von Karajan den brillanten, stets sorglos-fröhlichen Dresdner kennen und engagiert ihn als Korrepetitor an die Wiener Staatsoper. Was Peter Ronnefeld nicht davon abhält, parallel beim Alte-Musik-Revoluzzer Nikolaus Harnoncourt und seinem Concentus Musicus als Cembalist anzuheuern. Wo immer er auftritt, sind die Kollegen perplex ob der Leichtigkeit seines Musizierens. Der große Karl Böhm postuliert gar, dieser junge Mann werde „der nächste Karajan sein“.

Ronnefelds Blitzkarriere endet jäh

1961 erhält der Frühreife einen Ruf als Chefdirigent nach Bonn, zwei Jahre später wird er vom Kieler Opernhaus abgeworben. Bald gibt er auch seine Debüts bei den Berliner und den Wiener Philharmonikern. Doch die Blitzkarriere endet jäh, als bei Ronnefeld Krebs diagnostiziert wird. Im August 1965 stirbt er, noch nicht einmal 31 Jahre alt. Und so muss in dem Jahr, in dem Peter Ronnefeld 80 geworden wäre, bereits seines 50. Todestages gedacht werden. Auf Anregung von Christian Reichart, dem letzten Manager des 2012 aufgelösten RIAS Jugendorchesters, tut dies am Sonntag nun die Junge Philharmonie Brandenburg: Herbert Feuerstein moderiert das Porträtkonzert im Haus des Rundfunks, Aribert Reimann wird über seinen Komponistenkollegen sprechen und auch der Maler Matthias Koeppel, ein Cousin Ronnefelds, hat seine Teilnahme zugesagt.

Im Alter von 16 Jahren schrieb Peter Ronnefeld die Ouvertüre „non scholae sed vitae“, in dem nach den Worten des Komponisten das Fagott einen alten brummigen Lehrer darstellt und das mit einer „tollen Keilerei“ endet. Unter der Leitung von Felix Krieger werden die jungen Musikerinnen und Musiker neben diesem „lustigen Stück für die Jugend“ auch noch eine „Kleine Suite“ von 1949 sowie Ausschnitte aus dem Ballett „Peter Schlemihl“ spielen. Außerdem erklingen „Deux Nocturnes“, mit dem langjährigen Philharmoniker Wolfgang Böttcher am Cello, und Anne Steffens singt „Fünf Lieder im Herbst“.

Haus des Rundfunks, So 12.4., 18 Uhr.

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