Kultur : Gefährtin des Schakals

Sie war mit dem Terroristen Carlos verheiratet: „In the Darkroom“ porträtiert Magdalena Kopp.

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In seinem Terrorismus-Epos „Carlos – Der Schakal“ ließ Regisseur Olivier Assayas die junge deutsche Militante Magdalena Kopp von der Darstellerin Nora von Waldstätten als fleischgewordene Männerphantasie geben: Ein übererotisiertes Weibchen, das sich dem pseudo-revolutionären Boss kokett zur „Mitarbeit“ anbietet, bevor sie dann zu dessen Geliebten und Ehefrau wird. Magdalena Kopp gibt es wirklich, 2007 schon hatte sie ihre Version der Geschichte als Buch veröffentlicht. Jetzt tritt sie auch persönlich auf die Leinwand, eine Mittsechzigerin mit kupferrotem Pagenkopf, die in bedächtigen Worten von ihrem Weg aus dem provinziellen Neu-Ulm über Berlin und Frankfurt nach Bagdad und zurück berichtet. Ein Weg, der die Tochter einer kleinbürgerlichen NS-belasteten Familie von der Frankfurter Spontiszene in polizeiliche Verfolgung, vom Passfälschen zum Bombenlegen führte.

Kopp spricht frontal in die Kamera, als Kulisse eine Dunkelkammer, die der Filmemacher Nadav Schirman in einem ehemaligen Kino aufgebaut hat. In ihrem Londoner „Dark Room“ war die junge Fotografin dem Venezolaner Ilich Ramírez Sánchez zum ersten Mal begegnet. Erfreulich soll dieses erste Treffen im Dunkeln nicht gewesen sein. Überhaupt schildert Kopp die Begegnungen mit Carlos – sehr anders als bei Assayas – als übergriffig und von Gewalt geprägt. Warum sich die feministisch geprägte Frau dennoch zu diesem Macho gesellte? Ein Grund war wohl die schillernde Aura des Medienstars, zu dem der jugendliche Grabscher bald wurde. Dazu kamen die Attraktionen eines Lebens in der mondänen Halbwelt von Geheimdienst- und Polit-Jetset.

Es ist kein schmeichelhaftes Bild, dass Kopp von sich zeichnet. Sie beschreibt sich als Mitläuferin, deren radikales Engagement schon bald in Opportunismus erstickt. Merkwürdigerweise klafft in der Filmerzählung ausgerechnet an der Stelle ein Loch, als Magdalena den Absprung doch noch schafft und nach Carlos' Verhaftung aus Venezuela legal nach Deutschland zurückkehrt. Ihre, wie sie sagt, „erste souveräne Entscheidung“ bildet in der Dramaturgie von Regisseur Schirman aber nur eine beiläufige Episode, deren Motive und Bedingungen unbelichtet bleiben.

Regisseur Schirman hat als Nachfahre einer zum größten Teil in deutschen Konzentrationslagern ermordeten jüdischen Familie ein persönliches Anliegen für seinen Film, dem zweiten Teil einer geplanten Trilogie. Es geht um Doppelleben zwischen Geheimdienst und Terrorismus und Menschen, die unschuldig davon betroffen sind. Hier ist das eine junge Frau, die im zweiten Teil des Films neben Magdalena zur Hauptfigur wird: Rosa, die als Tochter von Magdalena und Carlos mit dem Vermächtnis dieser Vergangenheit leben muss. Sie ist mutig und zieht los, um in der Begegnung mit den Schatten ihrer Herkunft eigene Erfahrungen zu machen. Bleibt also die Hoffnung, dass sich manchmal aus der Geschichte doch lernen lässt.Silvia Hallensleben

Eiszeit, Hackesche Höfe

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