Generationenromane : Was ist bloß mit den 30-Jährigen los?

14.12.2011 09:17 UhrVon Gerrit Bartels
Lieber nur zugucken. Kaye Donachies Generationsporträt „Never Learn not to Love“ (2003). Foto: Courtesy Maureen Paley, London
Lieber nur zugucken. Kaye Donachies Generationsporträt „Never Learn not to Love“ (2003). Foto: Courtesy Maureen Paley, London

Zwischen Weinerlichkeit, Wachstumsschmerz und Weltrettung: Die Generation der um die 30-Jährigen, Autorinnen wie Sarah Kuttner, Antonia Baum und Meredith Haaf, schreibt Bücher über ihre Ängste und Luxusprobleme.

Muss man sich ernsthaft Sorgen machen? Nicht um Europa, das Klima oder den Euro, das sind ja Sorgendauerbrenner, sondern um die Fast-Dreißigjährigen? In diesem Bücherherbst hat sich die Generation der Endzwanziger, Frühdreißiger vielfach artikuliert und darauf hingewiesen, dass sie Probleme hat, dass sie nicht einverstanden ist mit sich, mit der Welt. Leif Randt, Jahrgang 1983, und Antonia Baum, Jahrgang 1984, machten mit Romanen wie „Schimmernder Dunst über Coby County“ und „Vollkommen leblos, bestenfalls tot“ auf sich aufmerksam, auch an reinen Generationsbüchern fehlt es nicht: Nina Pauer, 29, schickt unter dem Titel „Wir haben (keine) Angst“ Ihresgleichen in Gruppentherapie, und Meredith Haaf, 28, sinniert in ihrem Buch „Heult doch!“ über „eine Generation und ihre Luxusprobleme“.

Mit der 32-jährigen Sarah Kuttner und ihrem Roman „Wachstumsschmerz“ ist diese Generation nun auch in den Bestsellerlisten vertreten. Wobei sich herausstellen muss, ob der Erfolg des Buches sich dem Promi-Status Kuttners verdankt oder seinem Stoff. „Wachstumsschmerz“ erzählt von der 32-jährigen Lisa, der das Erwachsenwerden nicht so recht gelingen will. Sie will mit ihrem Freund Flo zusammenziehen, hat aber Angst davor, sie weiß nicht, ob sie als Schneiderin Karriere machen soll oder nicht, nebenher modelt sie lustlos, von ihrem Vater fühlt sie sich nicht wirklich geliebt undsoweiterundsofort.

Als ihre Beziehung in die Brüche geht, sagt Luise zu Flo: „Ich weiß doch auch nicht. Ich bin einfach nicht zufrieden. Nicht mit mir, meinen Entscheidungen, meinem Leben und nicht mit dir. Uns.“ Das ist traurig – und nicht gerade weltbewegend. Der Satz aber beschreibt die diffuse Unzufriedenheit ganz gut, unter der auch Kuttners jüngere Kollegen und Kolleginnen leiden; eine Unzufriedenheit auf hohem Lebensniveau.

Nina Pauer fängt damit an, wie behütet ihre Generation aufgewachsen ist. Alles in bester Ordnung. „Eigentlich. Denn irgendwas fühlt sich merkwürdig an. Irgendwas ist irgendwie nicht ganz richtig, ist irgendwie nie ganz richtig.“ Leif Randts Held weiß: „Als wir die Kinder von Coby County waren, wussten wir noch nicht, dass wir an einem der besten Orte der Welt lebten. Heute ahnen wir es. Das macht es nicht leichter.“ Meredith Haaf ist sich sicher: „Solange diese Generation nicht begreift, dass es gar nicht mehr ums Erwachsenwerden geht, sondern längst ums Erwachsensein, wird sie weder für sich noch für die Gesellschaft Verantwortung übernehmen können. Aus demselben Grund wird ihr niemand diese Verantwortung zutrauen. Denn wer nicht weiß, wo er in der Welt steht, kann sie auch nicht verändern.“

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