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Georg Lohmeier gestorben : Ein König für Bayern

Er war der Autor der ZDF-Serie „Königlich Bayerisches Amtsgericht“. Aber auch in Hörspielen und Büchern leuchtete Georg Lohmeier oft augenzwinkernd bayerische Kultur und Tradition aus.

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Bayerischer Patriot: Georg Lohmeier.
Bayerischer Patriot: Georg Lohmeier.Foto: Frank Leonhardt/dpa

Der Autor, Dramatiker und Schauspieler Georg Lohmeier ist tot. Der 88-Jährige sei nach langer schwerer Krankheit am frühen Dienstagmorgen gestorben, teilte seine Familie in München mit.
Lohmeier hatte in zahlreichen Werken die bayerische Tradition und Kultur beleuchtet.

Hommage an die "gute, alte Zeit"

Schon als kleiner Junge hatte Lohmeier, neuntes Kind eines Großbauern, in der Wirtsstube des Vaters Radio-Episoden und Theaterstücken gelauscht, an denen er sich in seinen späteren Arbeiten orientierte. Beim TV-Publikum machte er sich vor allem als Autor der ZDF-Vorabend-Serie „Königlich Bayerisches Amtsgericht“ einen Namen. Lohmeier entwarf skurrile Rechtsstreitigkeiten, die sich im Amtsgericht des fiktiven niederbayerischen Orts Geisbach zutrugen. Zeitlich war die Handlung in den Jahren 1912 und 1913 angesiedelt: Damals regierte in Bayern noch Prinzregent Luitpold. Lohmeiers Episoden waren daher eine Hommage an die in Bayern viel gepriesene "gute, alte Zeit" der Monarchie. Schon der Vorspann jeder Episode kündete davon: "Es war eine liebe Zeit, die gute, alte Zeit vor anno 14. In Bayern gleich gar. Damals hat noch Seine Königliche Hoheit der Herr Prinzregent regiert, ein kunstsinniger Monarch, denn der König war schwermütig. Das Bier war noch dunkel, die Menschen war'n typisch, die Burschen schneidig, die Dirndl sittsam und die Honoratioren ein bisserl vornehm und ein bisserl leger. Es war halt noch vieles in Ordnung damals. Denn für Ordnung und Ruhe sorgte die Gendarmerie und für die Gerechtigkeit das Königliche Amtsgericht.“

Einigen Schauspielern ermöglichte das "Amtsgericht" den Durchbruch

Zwischen 1968 und 1972 wurden insgesamt 53 Episoden der Serie in zwei Staffeln ausgestrahlt. Etlichen Schauspielern ermöglichte Lohmeier damit den bundesweiten Durchbruch: Etwa Gustl Bayrhammer, der durch seine Auftritte im "Amtsgericht" erstmals deutschlandweit bekannt wurde. Zum weiteren Ensemble gehörten unter anderem die Volksschauspieler Max Grießer, Erni Singerl, Ossi Eckmüller und Ludwig Schmid-Wildy. Ihre Rollen, die Lohmeier teils stark überzeichnete und mit Klischees spickte, schrieb er ihnen auf die bayerischen Leiber und Seelen. Ein oft wiederkehrender "Amtsgerichts"-Gag war beispielsweise, dass der Gerichtsdiener den "Ökonomierat Joseph Fäustl" aus dem Wirtshaus holen sollte, wo dieser einmal mehr versackt war. Nur dumm, dass der magere und schlecht bezahlte Gerichtsdiener sich durchaus mit Bier und Braten bestechen ließ. Allerdings: Alles halb so wild. Egal ob Heiratsschwindel, gepanschtes Bier oder unlauterer Viehhandel - kein Problem wäre so ernst gewesen, als dass es wirklich weitreichende Konsequenzen gehabt hätte. Und so heißt es auch im Abspann: „Das Leben geht weiter, ob Freispruch oder Zuchthaus, auch in der guten, alten Zeit – und auf die Guillotin' hat unser alter Herr Rat eh niemanden geschickt... Eine liebe Zeit, trotz der Vorkommnisse - menschlich halt. Und darum kommt es immer wieder zu diesen Szenen – im Königlich Bayerischen Amtsgericht.“

Auch privat wollte Lohmeier einen König

Seine Verehrung für den "Kini" lebte Lohemeier allerdings nicht nur im Fernsehen aus. Auch als Privatmann vertrat er die Forderung, Bayern wieder einen König zu geben. Er galt als unbeugsamer Patriot und "Berufsbayer". Von ihm stammt der berühmte Spruch: „Mir brauch ma koan Kini, aber scheener war's scho“. Lohmeier war Gründer der bayerischen Patrioten, die sich für die Rückkehr zur Monarchie im Freistaat einsetzen. In der Folge gründeten sich in Bayern viele König-Ludwig-Vereine.
Dass er sich außerdem keineswegs nur als Unterhaltungs-Autor verstand, machten seine kulturpolitischen Studien deutlich. Obwohl Lohmeier ursprünglich Geistlicher werden sollte, brach er das Freisinger Priesterseminar ab und studierte Kunstgeschichte in München. Er verfasste unter anderem wissenschaftliche Arbeiten zur bayerischen Kulturgeschichte.

Bereits in seiner Dissertation widmete er sich aber erneut der volkstümlichen Dichtkunst: Er promovierte über Ludwig Thoma, erhielt den Doktor-Titel jedoch nie. Bald darauf machte sich Lohemeier dann selbst einen Namen als volkstümlicher Theaterautor; Rundfunk und Fernsehen entdeckten ihn schnell. Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks, würdigte ihn mit den Worten: "Georg Lohmeier hat ein bedeutendes Werk hinterlassen. Ob mit seinen Büchern, Theaterstücken, Serien, Filmen oder Hörspielen - eines war bei ihm immer Thema: seine tiefe Verbundenheit mit Bayern. Er hat das Programm des Bayerischen Rundfunks reicher gemacht."

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