George Clooney in "A World Beyond" : Achterbahnfahrt durch die Zeit

In Brad Birds Science-Fiction-Abenteuer „A World Beyond“ spielt George Clooney einen herrlich schlecht gelaunten Erfinder, der keine Lust auf die Zukunft hat

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Sonderling und Erfinder. George Clooney spielt Frank Walker, der auf seinen Monitoren den Weltuntergang im Blick hat.
Sonderling und Erfinder. George Clooney spielt Frank Walker, der auf seinen Monitoren den Weltuntergang im Blick hat.Foto: dpa/Disney

Es wird viel gejammert über die fehlende Risikobereitschaft im Mainstreamkino, darüber, dass regelmäßig Budgets im dreistelligen Millionenbereich für Fortsetzungen verheizt werden. Aber vielleicht sind die Zeiten nicht gut für originelle, originäre Stoffe. Jedenfalls wird unternehmerisches Wagnis nicht immer belohnt, wenn mal ein Studio erzählerisches Neuland erkundet. Erst vor wenigen Monaten legte Warner mit dem ambitionierten Science- Fiction-Film „Jupiter Ascending“ der Wachowsky-Geschwister („Matrix“) eine kommerzielle Bruchlandung hin, während die Sequels von „Fast & Furious“ und „Avengers“ locker die Milliarden-Dollar-Einspielgrenze geknackt haben.

Wie wird sich nun „A World Beyond“ schlagen, ein Science-Fiction-Opus ohne Comic- oder Bestsellervorlage nach Originaldrehbuch von Brad Bird und Damon Lindelof („World War Z“)? Immerhin kann der auch als Regisseur bestellte Bird für sich verbuchen, dass drei seiner Filme nicht nur künstlerische, sondern auch kommerzielle Triumphe waren: die rasanten Pixar-Abenteuer „Die Unglaublichen“ und „Ratatouille“ sowie der letzte Teil der „Mission Impossible“-Reihe.

Doch aus Sicht der Produktionsfirma Disney, an deren realen Themenparks sich der im Original „Tomorrowland“ betitelte Film ästhetisch orientiert, gibt es durchaus Anlass zur Sorge. Die komplexe Geschichte um Dimensionsreisen mit wechselnden Zeitebenen und Erzählperspektiven dürfte viele Kinogänger überfordern, die kein grundsätzliches Interesse am Genre mitbringen. Zudem fehlt eine klar definierte Zielgruppe: Das disneytypisch süßliche Finale und die kindlich-jugendlichen Hauptfiguren deuten auf ein mögliches Publikum zwischen acht und 15 Jahren hin. Andererseits gibt es Gewaltausbrüche und trockenen Sarkasmus, was eher zu Tarantino und einer „Ab 18“-Freigabe passen würde.

„A World Beyond“ ist eine filmische Achterbahnfahrt. Es geht los mit einer Rückblende ins Jahr 1964, als der kleine Frank Walker (Thomas Robinson) mit selbst gebasteltem Raketenrucksack den Erfinderpreis der New Yorker Weltausstellung zu gewinnen hofft. Stattdessen fällt er dank der Hilfe des geheimnisvollen Mädchens Athena (Raffey Cassidy) wie Alice im Wunderland durch ein Dimensionsportal und findet sich in einer Parallelwelt wieder, in der alle seine kindlichen Zukunftsträume in Erfüllung gegangen sind. Gut 50 Jahre später ist aus Frank ein missmutiger (und von George Clooney mit hinreißender Knarzigkeit gespielter) Sonderling geworden, der sich in seiner Erfinderhütte verschanzt, als ihn die jugendliche Ausreißerin Casey (Britt Robertson) auf der Flucht vor grinsenden Roboteragenten um Hilfe bittet. Frank nimmt ihr alle Illusionen über das paradiesische Tomorrowland, in das Casey wie einst Frank einen Blick werfen durfte. Denn in der Zukunftswelt herrschen unter Diktator Nix (Hugh „Dr. House“ Laurie) finstere Zustände – woran Frank nicht unschuldig ist, hat er doch einst, in bester Absicht, einen Wahrsagemechanismus konstruiert, der zum Untergang beider Welten führen wird, wenn man ihn nicht stoppen kann.

Die Schwächen des Films – Ziellosigkeit, willkürliche Temposchwankungen, der spürbare Unwille, einen Spannungsbogen zu konstruieren – erweisen sich zugleich als Stärke. Weil Brad Bird seine Bilderflut keiner schnöden Plotentwicklung unterordnet und selber staunend vor dem Detailreichtum der von ihm entfesselten Fantasie zu stehen scheint, lässt er den Mirakeln einer Welt von morgen genügend Raum und Zeit, ihre Wirkung zu entfalten. „A World Beyond“ hat in seinem optimistischen Fortschrittsglauben weniger mit der generell dystopischen Ausrichtung des zeitgenössischen Science-Fiction-Kinos zu tun als mit Martin Scorseses „Hugo Cabret“ oder Jean Pierre Jeunets „Die Karte meiner Träume“ – beides ähnlich märchenhafte, von einem humanistischen Impetus getragene Filme, in deren Zentrum frühreife Kinderhelden stehen.

In 17 Berliner Kinos, OV: Cinestar SonyCenter, UCI Colosseum

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