Gespräch mit Manaf Halbouni : „Berlin soll Versöhnung symbolisieren“

Der Künstler Manaf Halbouni über seine Hassliebe zu Dresden und die Hoffnung, dass seine Bus-Skulptur in Berlin besser aufgenommen wird.

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Der syrische Künstler Manaf Halbouni
Der syrische Künstler Manaf HalbouniFoto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Manaf Halbouni, 1984 in Damaskus geboren und aufgewachsen, lebt als Künstler in Dresden. Seine Eltern lernten sich in Dresden kennen, der Heimatstadt seiner Mutter, als sein syrischer Vater dort an der TU im Fach Architektur promovierte. Halbouni studierte dort ab 2009 an der Hochschule für Bildende Künste. Seit seinem Diplom 2014 ist er Meisterschüler bei Eberhard Bosslet.

Herr Halbouni, zuerst Dresden, nun Berlin. Wie wählen Sie die Städte aus, in denen Sie Ihr Kunstwerk aufstellen?

Das Mahnmal steht gegen den Krieg, egal wo auf der Welt es aufgestellt wird. Im Frühjahr habe ich das im Zweiten Weltkrieg zerbombte und nun wiederaufgebaute Dresden mit dem im syrischen Bürgerkrieg zerbombten Aleppo in Zusammenhang gesetzt. In Berlin kommt eine weitere Facette hinzu: Das Brandenburger Tor war lange ein Symbol der Teilung. Dann kam die Wiedervereinigung. Viele Länder sind heute noch aufgrund von Krieg durch Mauern und Grenzen geteilt – Berlin soll die Versöhnung symbolisieren.

In Dresden gab es heftige negative Reaktionen. Wie haben Sie das damals wahrgenommen?

Ich hatte in Dresden mit Protesten gerechnet, aber dass sie so heftig ausfallen, hätte ich nicht gedacht. Generell finde ich Kritik und Diskussion immer gut. Zumindest teilweise ist nicht das Mahnmal die Kunst, sondern die Menschen, die sich damit befassen.

Wohnen Sie gerne in Dresden?

Es ist eine Hassliebe.

Wie, denken Sie, werden die Berliner reagieren?

Das kann ich schwer abschätzen. Die Hauptstadt tickt anders. Wir werden es sehen, wenn die Busse stehen.

Die originale Bus-Barrikade, die die Bevölkerung in Aleppo vor Heckenschützen abschirmen sollte, steht sie dort noch?

Ehrlich gesagt, ich habe keine Informationen darüber, ob es die Busse noch gibt.

Es wird immer wieder diskutiert, wie man respektvoll mit Mahnmalen umgeht. Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit?

Es geht darum, eine Botschaft des Friedens in die Welt zu tragen. Die Leute sollen keine Scheu haben, sich vor den Bussen zu fotografieren – und die Bilder dann mit dem Hashtag #Monument in den sozialen Medien zu teilen.

Wie soll es weitergehen?

Das steht noch nicht fest. Ich würde mir wünschen, dass meine Arbeit in weiteren Städten ausgestellt wird. Zum Beispiel in Coventry in Großbritannien, der Partnerstadt von Dresden, die von den Nazis zerbombt wurde. Ich fände es symbolisch sehr stark, die Busse dort zu sehen.

Interview: Melanie Berger

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