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Die Beschneidung des Herrn : Das Wunder der göttlichen Vorhaut

17.08.2012 13:08 Uhrvon
Heilige Operation. Gemälde von Fra Angelico aus dem Jahr 1450. Foto: picture-alliance / akg-images /Bild vergrößern
Heilige Operation. Gemälde von Fra Angelico aus dem Jahr 1450. - Foto: picture-alliance / akg-images /

Acht Tage nach seiner Geburt trennte man Jesus die Vorhaut ab. Wo ist sie heute? Mehrere Kirchen reklamieren die Reliquie für sich, der Vatikan schweigt. Eine Odyssee durch die Skurrilitäten des christlichen Glaubens.

In der Debatte über Knabenbeschneidung, ausgelöst von einem im Dunstkreis des katholischen Joachim Kardinal Meisner residierenden Landgericht, stellt sich dringend die Frage: Wo steckt denn eigentlich die Vorhaut Jesu, welche dieser, noch im zarten Babyalter von acht Tagen, gemäß der Schilderung des Evangelisten Lukas in Kapitel 2, Vers 21, in Bethlehem verlieren musste, um – wie es im 1. Buch Mose, Kapitel 17, Vers 14 heißt –, als Unbeschnittener den Bund mit Gott (also mit sich selbst?) nicht zu brechen?

Wir wissen nicht, ob heute lebende Juden oder Muslime von ihren Eltern das am kindlichen Penis entfernte hautige Kränzchen, getrocknet und gut konserviert, in einem güldenen Döslein später im Leben ausgehändigt erhalten, als ledriges Andenken an die eigene graue Vorzeit, wie es in gewissen Landkreisen dieses Globus mit den niedlichen Milchzähnchen von Kindern in der Art einer weltlichen Reliquie geschieht, denen nach der Vollendung des sechsten Lebensjahres die Zahnfee begegnet ist.

Und noch viel weniger wissen wir, ob des Gottessohns Präputium aufgehoben und überliefert worden ist. Zwar heißt es im nicht zur Bibel gehörenden „Evangelium der Kindheit“, die alte Jüdin, welche die Operation vornahm, habe Jesu Vorhaut aufgehoben und in ein mit Nardenöl gefülltes Alabastergefäß gelegt, habe einen im Handel mit Wohlgerüchen tätigen Sohn gehabt und diesem das Gefäß mit den Worten übergeben: „Hüte dich, dieses Gefäß voll Nardenöl zu verkaufen, selbst wenn man dir dreihundert Silberlinge böte.“ Er habe es aber dennoch an Maria Magdalena verkauft, welche das Nardenöl über die geheiligten Füße Unseres Herrn Jesus Christus ausgoss und diese mit ihren Haaren trocknete. Das apokryphe Buch schweigt allerdings züchtig darüber, was schließlich mit dem Präputium Jesu in den Händen der Maria Magdalena geschah.

Wer dies allenfalls wüsste oder wissen könnte, wäre die einzige weltliche Institution, die es als ihre Aufgabe begreift, altes Wissen, altes Denken, altes Verhalten und auch alte Gegenstände in Köpfen, tiefgründigen Archiven und Museumsdepots vor dem Verfall zu bewahren. Doch diese Institution – der Vatikan – versagt bezüglich des gottessöhnlichen Präputiums vollständig und hüllt ihr Unwissen zudem in tiefstes und betretenes Schweigen.

Bildergalerie: Die Beschneidungs-Debatte in Deutschland

Wohl hat sich im Jahre 1954 am liturgischen Fest des Heiligen Jean-Baptiste de la Salle sowie der Heiligen Denise, welcher der Vatikan – mit welchen Beweisen auch immer – seit ihrer Seligsprechung Jungfrauenstatus bescheinigt, kalendarisch somit am 15. Mai, eine Sondersitzung der Obersten Heiligen Kongregation des Sanctum Officium intensiv mit dem Vorhaut-Thema befasst. Nach langer Beratung in größerem Kreise zogen sich die der Sitzung beiwohnenden Kardinäle Giuseppe Pizzardo (1877–1970), Alfredo Ottaviani (1890–1979), Adeodato Giovanni Piazza (1884–1957) und Nicola Canali (1874–1961) zurück und verhandelten während einer Stunde geheim und ohne Protokoll. Später verkündeten sie in der wiederaufgenommenen Sitzung ihr Urteil: Die Bitte eines französischen Jesuiten, das Dekret Nr. 37 A vom 3. Februar 1900 aufzuheben, mit welchem die Oberste Heilige Kongregation verbietet, über die Reliquie der Vorhaut Jesu zu sprechen und zu schreiben, werde abgewiesen und das frühere Dekret verschärft. Gegen jeden, der ohne Erlaubnis über das heilige Präputium schreibt und spricht, bleibe dem Heiligen Apostolischen Stuhl die Strafe der Exkommunikation vorbehalten, welche zudem von der Kategorie speciali modo in die Kategorie specialissimo modo übernommen wird. Wer diese Vorschrift übertrete, sei ipso facto als ehrlos anzusehen, gnädigerweise allerdings bloß in der niederen Kategorie der „geduldeten Ehrlosen“. Sollten sie allerdings verstockt bleiben, würden sie durch ein auf ihren Namen lautendes Urteil in die höhere Kategorie der „zu meidenden Ehrlosen“ versetzt.

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