Goethe-Institut reagiert auf Krise im Osten : Kiew wird gestärkt

Der Generalsekretär des Goethe-Instituts, Johannes Ebert, will die Krise in Osteuropa begleiten. Jüngst kündigte er an, dass er das Institut in Kiew personell verstärken wolle und neue Programme auflegen wolle.

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Johannes Ebert kennt sich aus mit Aufbau und Krise. 1997 übernahm er die Leitung des Goethe-Instituts in Kiew, damals noch eine neue Adresse; es wurde 1993 gegründet. Anschließend leitete er das Institut in Kairo, das in der Nähe des Tahrir-Platzes liegt und in den heißen Monaten der Arabellion eine sichere Anlaufstelle war. Und bis 2012 arbeitete er in Moskau, in der Hauptstadt eines Landes, von dem Ebert heute sagt, das Eis werde dünner, auf dem sich die Goethe-Leute und ihre russischen Partner bewegen.

Seit zwei Jahren ist Ebert Generalsekretär des Goethe-Instituts und damit beschäftigt, gesellschaftliche Umbrüche zu begleiten. Dafür braucht man Geduld: „Das wird in der Ukraine so sein, das zeigt sich auch in der arabischen Welt, wo die Hoffnung auf gesellschaftliche Veränderung zumindest teilweise wieder nachlässt. Umso wichtiger ist es, in diesen Ländern zivilgesellschaftliche Gruppen und Innovationsträger in Kultur und Bildung aktiv, nachhaltig und verlässlich zu unterstützen“, sagte Ebert am Mittwoch in Berlin. Er kündigte an, man werde das Goethe-Institut Kiew personell verstärken und neue Programme auflegen. Geplant sind Fortbildungs- und Stipendienangebote für ukrainische Bildungspolitiker, Kulturschaffende und Schüler, außerdem Diskussions- und Kulturprogramme zur Stellung der Ukraine in Europa: „Es wäre ein Fehler, die Verantwortung Deutschlands im Ausland allein auf sicherheits- oder wirtschaftspolitische Fragen zu beschränken.“

Deshalb geht die Goethe-Arbeit in Russland weiter, es ist ein deutsch-russisches Jahr der Literatur und Sprache geplant. „Von Kulturboykott halten wir gar nichts“, sagt Klaus-Dieter Lehmann, der Präsident des Goethe-Instituts. Das wird zwar vom Auswärtigen Amt finanziert, agiert aber selbstständig. Im Hinblick auf den von Frank-Walter Steinmeier angeregten „Review-Prozess“, mit dem der Außenminister ausloten will, was die Welt von Deutschland erwartet, meint Lehmann: „Wenn wir in der Welt nicht paternalistisch daherkommen wollen, kann die Übernahme von Verantwortung nur dialogisch sein. Für uns steht fest, dass menschliches Zusammenleben in erster Linie eine kulturelle Leistung ist.“ In der Sprache und Praxis des Goethe-Instituts heißt das Menschenrechte, Demokratie, Experiment.

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