Kultur : Graubrot mit Trüffeln

Bon appétit: „Die Köchin und der Präsident“.

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Während die globalisierte Welt kulturell zusammenwächst, setzt das europäische Kino immer stärker auf nationale Stereotype – jedenfalls wenn es um die internationale Vermarktung geht. Gleich zwei davon kommen in diesem französischen Film zum Einsatz, wie der Originaltitel „Les saveurs du palais“ – was die Genüsse sowohl des Gaumens wie des Palasts meinen kann – ungleich raffinierter als der deutsche Titel verspricht.

Tief in den Eingeweiden des Elysée-Palastes stellen zwischen grün-weißen Kacheln und edlen Kochapparaturen Dutzende von Chefs de Cuisine den Staatsbeamten seit Jahrzehnten dieselben Menus zusammen. Eines Tages aber bestellt der Präsident sich einfach eine eigene Leibköchin: Hortense Laborie, prämierte Spitzenfrau mit einem Faible für bodenständige Küche, verführt in ihrem Landgasthaus mit selbst gezogenen Trüffeln. Auch der Staatschef isst gerne – für französische Verhältnisse – schlicht und träumt sich zu den Speisen der Kindheit zurück.

Von dunkel bezwirnten Hofschranzen wird Hortense in ihre Wirkräume eingewiesen, assistiert von einem jungen Pâtissier und dem Kellner des Präsidenten, die sie sich schnell zu Verbündeten macht – schließlich beäugen die Palastköche den Eindringling höchst misstrauisch, verschärft durch den Umstand, dass Hortense offenbar nicht nur kulinarisch mit dem Präsidenten kann. Doch keine Sorge: Selbst als Monsieur eines Nachts allein Hortenses Reich aufsucht, tratscht man nur über Wachteln, dazu gibt’s Graubrot mit Trüffeln.

Hortense hat ein Vorbild im wirklichen Leben: Danièle Delpeuch, die – als bisher einzige Köchin – von Mitterrand ins präsidentiale Kochzentrum befördert wurde. Zwei Jahre hielt sie es bei Hofe aus, bevor sie sich auf eine antarktische Forschungsstation absetzte. Die Filmautoren Etienne Comar und Christian Vincent (auch Regie) orientieren sich frei an diesen Daten und schachteln aus der Rückblende kumpaneskes Forscherdasein und steifes Intrigantentum reizvoll ineinander. Beides sind reine Männerwelten – und es ist eine Lust, Catherine Frot zuzusehen, wie sie mit hochhackigem Schuhwerk die Gänge des Elysée bezwingt. Nicht gar so glücklich besetzt ist der 87-jährige Großschriftsteller Jean d’Ormesson in seiner ersten Filmrolle als dauerlächelnder Präsident, dem man das Leckermaul gerne abnimmt. Präsidiale Virilität allerdings weniger. Silvia Hallensleben

Capitol, Cinemaxx, Filmkunst 66,

Kulturbrauerei und Moviemento;

OmU in den Hackeschen Höfen

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