Griechisches Kino: "Worlds Apart" : Liebe, Krise, Depression

Tröstliches Liebeskino aus Griechenland: Christopher Papakaliatis wirft in „Worlds Apart“ einen optimistischeren Blick auf das Land als seine Filmemacherkollegen.

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Liebe in Zeiten der Krise. Sebastian (J.K. Simmons) und Maria (Maria Kavoyianni)
Liebe in Zeiten der Krise. Sebastian (J.K. Simmons) und Maria (Maria Kavoyianni)Foto: Trigon Film

Die sogenannte Griechenland-Krise wird meist als Scheitern der Institutionen dargestellt. Für Millionen von Griechen bedeutete die europäische Austeritätspolitik aber vor allem eine persönliche Tragödie. Familien standen vor dem Ruin, die Selbstmordrate explodierte. Die psychische und ökonomische Depression durchzieht das soziale Gewebe des Landes.

Giorgos, einer der Protagonisten in Christopher Papakaliatis’ „Worlds Apart“, steht stellvertretend für alle Griechen, die die Finanzkrise auch in eine private Krise stürzte. Der Manager muss mit ansehen, wie seine Kollegen reihenweise gefeuert werden. Seine Ehe ist gescheitert, er nimmt Antidepressiva. Und wie es das Drehbuch will, beginnt Giorgos, vom Regisseur selbst gespielt, eine Affäre mit der Frau, die nach Athen geschickt wurde, um die neue Sparpolitik an seinem Unternehmen zu exemplifizieren.

Mehr Psychogramm als politische Allegorie

Giorgos’ Geschichte ist Teil eines Liebes-Triptychons, das weniger eine politische Allegorie bemüht als sich vielmehr an einem Psychogramm versucht. Schon in seinem Regiedebüt „What if“ nahm Papakaliatis eine Liebesgeschichte zum Anlass, um vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise ein Bild seines fragilen Landes zu zeichnen. Das griechische Kino hat sich aus dieser Schieflage heraus in den vergangenen Jahren neu erfunden. Mit Yorgos Lanthimos, Athina Rachel Tsangari, Yannis Economides und Syllas Tzoumerkas formierte sich eine neue Generation von Filmemachern, die das Land im Zustand der Zerrüttung zeigten.

„Worlds Apart“ liefert das Gegenprogramm. Die drei Geschichten erzählen aus den Leben einer Handvoll Menschen, die sich gegen die gesellschaftlichen Fliehkräfte stemmen. Die junge Studentin Daphne verliebt sich in einen geflüchteten Syrier, während ihr Vater eine rechte Bürgerwehr aufstellt. Und der deutsche Pensionär (J.K. Simmons) buhlt um die Liebe einer enttäuschten Hausfrau.

Papakaliatis’ Blick auf sein Land ist optimistischer als der seine Kollegen. Dass die Handlungsstränge im Schlussakt zu einer Familiengeschichte verknotet werden, liegt in der Logik dieser Art von Episodenfilmen. Was die Figuren in ihren Einzelschicksalen trennt, muss mit großer Geste zusammengeführt werden. Papakaliatis ist ein Romantiker. Das macht sein Filme tröstlich, aber auch etwas konventionell.

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