"Großironiker der DDR" : Schriftsteller Hermann Kant ist tot

Er war der bekannteste und umstrittenste Autor der DDR: Hermann Kant ist am Sonntagmorgen im Alter von 90 Jahren gestorben.

Hermann Kant, 14. Juni 1926 - 14. August 2016.
Hermann Kant, 14. Juni 1926 - 14. August 2016.Foto: IMAGO

Er galt als „Großironiker der DDR". Der Schriftsteller Hermann Kant ist am Sonntagmorgen in einem Krankenhaus in seinem Wohnort Neustrelitz gestorben. Seine Verlegerin Simone Barrientos vom Verlag Kulturmaschinen bestätigte eine entsprechende Meldung des "Neuen Deutschland". Kantw urde 90 Jahre alt. Sein bekanntes Buch "Der Aufenthalt" - die Geschichte seiner polnischen Kriegsgefangenschaft und antifaschistischen Besinnung - hat ein Motto von Brecht: "So bildet sich der Mensch: Indem er ja sagt, indem er nein sagt." Ein weiteres Buch "Das Impressum" beginnt mit dem Ausruf des Chefredakteurs Robert Iswall: "Ich will aber nicht Minister werden!" Am Ende wird er das doch, weil er seiner Partei nicht nein sagen kann.

Das galt auch für Hermann Kant selbst, der einer bekanntesten, aber - wegen seiner Nähe zum SED-Regime - auch einer der umstrittensten Autoren der DDR war. Seit Mitte der neunziger Jahre lebte er zurückgezogen auf dem Land in mecklenburgischen Prälank. Anfang des Jahres war er nach Neustrelitz gezogen. Sein bekanntestes Werk ist der Roman "Die Aula". 650 000 Exemplare wurden nach Angaben des Berliner Aufbau-Verlages davon bislang verkauft, er wurde in 15 Sprachen übersetzt und war im Westen teilweise Schullektüre. In seinen Büchern setzte sich der am 14. Juni 1926 in Hamburg geborene Autor - seine Eltern gingen 1940 mit ihm nach Parchim - immer wieder mit den Widersprüchen der sozialistischen DDR auseinander. Hermann Kant, der von vielen als kantig beschrieben wurde, war von 1978 bis 1990 Präsident des DDR-Schriftstellerverbandes. Sein letztes Buch, die Erzählung "Strenges Spiel", kam 2015 heraus. (Tsp/dpa)

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