Großpop : Madonna klammert sich an ihren Thron

Mit ihrem neuen Album „MDNA“ will Madonna wieder ein Dance-Girlie sein. Das hat etwas Unwürdiges und ist ihrem Status als feministische Ikone eher abträglich. Es wird Zeit, dass Madonna wieder ein Vorbild wird.

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Chefin aller Cheerleader. Madonna Louise Ciccone, 53, genannt Madonna. Foto: Universal
Chefin aller Cheerleader. Madonna Louise Ciccone, 53, genannt Madonna. Foto: Universal

Der Spaß ist ihr irgendwann abhandengekommen. Vielleicht hat sie es selbst gar nicht bemerkt, doch auf einmal war alles nur noch Arbeit, Arbeit, Arbeit. Sicher: Madonna hatte seit dem Tag, als sie aus ihrer Provinzheimat in New York ankam, ehrgeizig und fleißig für ihre Karriere geschuftet. Allerdings sah man ihr das sehr lange Zeit nicht an. Die ersten zwei Jahrzehnte ihrer Karriere waren von einer souveränen Leichtigkeit und Lässigkeit geprägt. Sie eilte von Hit zu Hit, tourte um die Welt und tanzte sich in den Rang der „Königin des Pop“ – ein Titel, den vor ihr niemand beanspruchen konnte.

Dass die Bürde dieses Amtes mittlerweile schwer auf ihr lastet, ist überdeutlich. Mit immenser Verbissenheit kämpft sie um ihren Thron. Gut zu sehen war das etwa auf ihrer „Sticky & Sweet“-Tour zum letzten Album „Hard Candy“. Bei den irre aufwendigen Shows wollte Madonna einzig und allein zeigen: Ich bin fit, ich habe es immer noch drauf, niemand kommt mir nahe. Dasselbe galt für ihren Halbzeit-Auftritt beim Superbowl, den kürzlich rund 118 Millionen Menschen sahen. Es war der Promo-Auftakt für ihr heute erscheinendes zwölftes Studioalbum „MDNA“.

Im leicht reduzierten Tanzmodus machte die 53-jährige Sängerin wieder eine gute Figur. Sie hatte geliefert, wie es im Leistungsgesellschaftssprech heißt. Nur nützen wird ihr das alles nichts. Denn entscheidend ist, dass sich der Blick auf Madonna verändert hat. Es ist nicht mehr das erwartungsfrohe „Mal-sehen-was-sie-sich-jetzt-wieder-ausgedacht-hat“, mit dem man einem neuen Album oder einer Tour entgegengefiebert hat, sondern nur noch ein „Hoffentlich-wird-es-nicht-peinlich“. Das ist für die Diva natürlich eine Katastrophe. Die Fans sollen nicht um sie zittern, sondern bewundernd zu ihr aufschauen.

Für Letzteres gibt „MDNA“ leider wenig Anlass. Es ist ein Dance-Album mit viel Wumms, das genau so klingt, wie solche Alben derzeit eben klingen. Die Bassdrum donnert Four to the Floor, hysterische Synthies zucken umher, und die Gesangsspur wird ordentlich zerhäckselt. Dementsprechend verzerrt ist Madonna auf dem Albumcover abgebildet. Der Einfluss des derzeit omnipräsenten französischen DJs und Produzenten David Guetta ist deutlich zu hören. Auch Anklänge an den maßgeblich von Skrillex geprägten Boller-Dubstep sind zu finden.

Mit „Girl Gone Wild“, der zweiten Auskopplung nach der nur aufgrund der Gastsängerinnen Nicki Minaj und M.I.A. zu ertragenden Single „Give Me All Your Luvin’“, eröffnet ein mitreißender Stomper das Album. Auf der Tanzfläche wird das Stück auf jeden Fall funktionieren. Produziert vom italienischen DJ Benny Benassi, passt er wie der Rest der Platte genau zur momentanen Klangmode. Mehr aber auch nicht. Und das ist das Problem: Madonna beherrschte einst die Kunst, Trends wie Voguing aus dem Untergrund in den Mainstream zu holen, beziehungsweise einen bereits angesagten Sound im richtigen Moment aufzugreifen, um ihm dann wie bei „Ray of Light“ einen spannenden eigenen Dreh zu geben.

Ähnliches gelingt Madonna, die rund 300 Millionen Alben verkauft hat, nun schon seit einer Weile nicht mehr. Ein besonders eindrucksvolles Dokument ihrer Orientierungslosigkeit war „Hard Candy“ (2008), bei dem sie mit Timbaland und Pharell Williams zusammenarbeitete. Die beiden Produzenten-Legenden hatten ihren Zenit damals gerade überschritten und hämmerten ihrer prominenten Kundin ein äußerst mittelprächtiges Album zusammen, das mehr nach ihnen als nach ihr klang.

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