Kultur : Gullyklänge

Die Installation „Unterton“ am Martin-Gropius-Bau.

von

Wer sich dem Martin-Gropius-Bau von Süden her nähert, muss zunächst den kleinen Platz vor dem früheren Haupteingang überqueren. Ab heute wird er dabei von den Klängen der Installation „Unterton“ begleitet, mit der Ina Geißler und Fabian Lippert im Sommer 2011 den Kunst-am-Bau-Wettbewerb für den Gropius-Bau gewonnen haben. Bewegungssensoren aktivieren, sobald ein Passant den Platz betritt, Magnethämmer, die unter acht radial angelegten Gullydeckeln angebracht sind. Durch Bewegung werden so verschiedene Klangbilder aktiviert, die rhythmisch an das Morsealphabet angelehnt sind. „Unterton“ ist ein Kunstwerk, das entdeckt werden will, der Passant muss selbst aktiv werden. Die Idee des Künstlerduos, statt eines visuell sichtbaren Kunstwerks etwas rein Akustisches zu schaffen, hatte die Jury besonders beeindruckt. Denn es bedeutet, dass der Platz radikal frei gelassen und eine Sichtachse von der Stresemannstraße über den Südplatz zur Topographie des Terrors möglich wird.

Bei der Überquerung des Platzes entsteht so ein amorphes Klangbild, das nie gleich klingt. Die Assoziationen der gegen Gitter schlagenden Hämmer sind breit gefächert, können auf die Geschichte der Umgebung bezogen werden oder aber das beschreiben, was Ina Geißler das „urbane Unterbewusstsein“ nennt. Jetzt kann man die Installation selbst erleben – von 8 bis 20 Uhr, um die Ohren der Nachbarn im Entwicklungsministerium nicht überzustrapazieren. Annika Brockschmidt

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar