Kultur : Haben und Nichthaben

Der Eichborn Verlag meldet Insolvenz an

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So schnell kann das gehen: Nachdem diese Woche amtlich geworden war, dass der Frankfurter Eichborn Verlag nicht wie geplant am 1. Juli in das neue Aufbau-Haus am Moritzplatz in Berlin ziehen würde, hat der Verlag am Donnerstag beim Amtsgericht Frankfurt einen Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Zuvor gab es wegen der Eichborn-Sanierung Unstimmigkeiten zwischen den Verlagen Eichborn und Aufbau, die Anfang des Jahres ihre Zusammenarbeit verkündet hatten – auch mit der Folge, dass Eichborn nach Berlin umsiedeln sollte. So hatte der Berliner Aufbau-Eigentümer und Immobilienhändler Matthias Koch drei Viertel des börsennotierten Eichborn Verlags erworben, hatten die Eichbornmitarbeiter Kündigungen erhalten, 35 betriebsbedingt und 13 mit einer Änderungskündigung für Berlin. Auch ein Sanierungsplan war erstellt worden. Vermutlich an diesem haben sich nun die Geister geschieden.

Matthias Koch warf dem Eichborn-Betriebsrat vor, den Umzug verzögert zu haben, weil er den Kündigungen widersprochen hatte. Er ließ aber wissen: „Will man die Zukunft unabhängiger Häuser und damit eine eigenständige Programmarbeit sichern – denn nur so kann ein Verlag wie Eichborn überleben –, sind Synergien notwendig. Ob in Frankfurt mittlerweile ein weiterer Investor gefunden wurde, ist mir nicht bekannt.“ In Frankfurt stieß man sich daran, dass der vorgelegte Sozialplan von Koch nie unterschrieben wurde, und mutmaßte, dass ihm die Kosten von einer Million Euro genau wie die für den Umzug der Restbelegschaft nach Berlin wohl zu hoch gewesen seien.

Eine zwingende Notwendigkeit, trotz seiner Mehrheitsanteile in den Eichborn Verlag zu investieren, sah Koch offenbar nicht. Auch sein „Kreativ-Haus“ (siehe auch Stadtleben, Seite 11) ist nicht darauf angewiesen, dass 13 verbliebene Eichborner einziehen. Mieter wie etwa den Blumenbar Verlag hat Koch genug. Der Insolvenzantrag sei zu befürchten gewesen, sagte Koch nun dem Branchenmagazin „buchmarkt.de“. „Es ist leider nicht gelungen, den Mitarbeitern zu vermitteln, dass Eichborn in Berlin seine Identität erhalten könnte.“ Wie immer so eine Aussage zu bewerten ist: Der Insolvenzantrag ist die Konsequenz aus dem Zwist der letzten Tage und den vergeblichen Versuchen des Eichborn-Vorstands, einen zahlungswilligen Investor zu finden. Das Schicksal des Verlags liegt nun bei der Insolvenzverwaltung. Die hat angekündigt, „den Geschäftsbetrieb mit dem Ziel einer übertragenden Sanierung aufrechtzuerhalten“. So schlecht stehen die Chancen vielleicht nicht.

Eichborn hat zwar zuletzt nicht für viel Aufsehen gesorgt, weder mit Verkaufserfolgen noch einer verlegerischen Handschrift. Zudem tat der Abgang von Wolfgang Hörner sein Übriges, der mit dem Eichborn-Berlin-Label dem Verlag ein deutschsprachiges Profil gegeben hatte mit Autoren wie Sven Regener und Karen Duve. Auch der Gang an die Börse im Jahr 2000 hat dem 1980 gegründeten Verlag nicht gutgetan. Trotzdem gibt es Substanz. Da sind die Rechte von Bestsellern wie eben Regeners „Herr Lehmann“. Da existiert weiterhin die Andere Bibliothek, ein Aushängeschild des Verlags. Und das aktuelle Frühjahrs- sowie das kommende Herbstprogramm brauchen sich zumindest vor denen eines Konkurrenten wie Aufbau schon gar nicht zu verstecken.

Bei Aufbau hat man sich übrigens beeilt zu versichern dass man die Anfang des Jahres beschlossene Vertriebskooperation fortsetzen will. Auf dass das Eichborn-Herbstprogramm in den Buchhandel komme und der Insolvenzverwalter positive Signale erhalte. Gerrit Bartels

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