Kultur : Hackbraten statt Zuckerwatte Kate Nash überrascht im Berliner Magnet

Kaspar Heinrich
Alles neu. Kate Nash rockt in Berlin. Foto: Geisler-Fotopress/Behring
Alles neu. Kate Nash rockt in Berlin. Foto: Geisler-Fotopress/BehringFoto: Geisler-Fotopress

Nanu, denkt man sich, was ist denn da beim Booking schiefgelaufen? Kate Nash im Kreuzberger Magnet Club, vor nur 350 Menschen? Wo sie doch noch 2010 das weit größere Astra auf der anderen Spreeseite füllte. Ist es die neue Bescheidenheit, nach zweieinhalb Jahren ohne ein Album? Eher nicht: Club statt Halle – das ist genau die richtige Entscheidung für die neue Musik der 25-jährigen Britin.

Die klebrige Zuckerwatte beschwingter Piano-Pop-Hits wie „Foundations“ oder „Mouthwash“ ist verzehrt, nun folgt der Hauptgang: Hackbraten. Wer im Internet auf die neuen Videos „Fri-end?“ und „Under-Estimate The Girl“ gestoßen ist, ahnt schon, was ihn an diesem Abend erwartet. Zu den Klängen eines Doo- Wop-Klassikers aus der Konserve betreten Kate Nash und ihre drei Mitmusikerinnen die Bühne. E-Gitarren, Bass, Schlagzeug – das ist die klassische Besetzung einer schnörkellosen Rockband. Die Drums geben harte Schläge vor, die Gitarren wehklagen, man spielt Garagenrock, rau, schnell und schrammelig.

Kate Nash kokettiert mit der Tradition feministischer Riot-Grrrl-Bands, sie gibt sich kratzbürstig, verzieht das Gesicht, während sie krakeelt und trotzig den Kopf schüttelt, dass die schwarzen Zöpfe herumwirbeln. Ihre neuen Songs tragen Titel wie „Conventional Girl“, I’m A Feminist You’re Still A Whore“ oder „Girl Gang“. Ihr Plädoyer für Pussy Riot und die Freiheit der Kunst mündet in den Song „Free My Pussy“ – und ein herzerweichendes Maunzen. „Fucking“, „shit“ und „bitch“ sind Nashs Lieblingswörter.

Gleichzeitig hat sie ihr Image des Mädchens mit dem süßen Londoner Cockney-Akzent nicht ganz abgelegt, auch nicht ihren Schneewittchen-Look und die Vorliebe für gepunktete Kleider. Das Publikum will mehr von dieser, der bekannten Kate Nash. So werden nach einer Dreiviertelstunde, angefüllt mit unbekanntem Material, die Rufe nach alten Songs lauter. Zur Versöhnung gibt es „Do Wah Doo“ und ein Bad in der Menge, später „Foundations“ ganz ohne Klavier.

Immer wieder mal flackert über der Bühne Kate Nashs Name auf, in Form von rosafarbenen Schreibschrift-Neonröhren. Sie scheinen für all jene zu leuchten, die nicht so ganz glauben können, wen sie da hören. Nashs Wandlung ist riskant, sie wird Fans verstören. Wichtig ist: Sie ist ernst gemeint. Kaspar Heinrich

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