Kultur : Hände weg von meinem Fernsehsessel! Die Familienkomödie

„Da geht noch was“.

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Geht’s noch? Das Erste, was der Vater (Henry Hübchen) seinem Sohn (Florian David Fitz) bei der ersten Wiederbegegnung seit Jahren zuruft, ist: „Siehst aus wie ein Yuppie.“ Worauf der Sohn sarkastisch entgegnet: „Freue mich auch, dich zu sehen.“ Nein, in dieser Familie geht gar nichts mehr. Conrad schickt seinen Eltern zu Weihnachten nur noch verlogene Postkarten, und den Geburtstag seiner Mutter absolviert er als Pflichttermin auf dem Weg in den Urlaub. Doch dann eröffnet ihm die Mutter (Leslie Malton), dass sie sich nach vierzig Jahren Ehe vom Vater getrennt habe – und schickt ihn auf einen Botengang in den Familienbungalow, in dem sich der Alte zwischen verdrecktem Geschirr und leeren Pizzakartons in seinem Selbstmitleid eingerichtet hat.

Die Lage eskaliert, als der mürrische Patriarch zeternd in den leeren Swimmingpool stürzt, sich dabei den Arm bricht und fortan auf Hilfe angewiesen ist. Notgedrungen zieht Conrad mitsamt dem eigenen Sohn Jonas (Marius Haas) wieder in sein ehemaliges Kinderzimmer, wo noch die alten Schwimm-Siegerurkunden an der Wand hängen. „Sieger“ stimmt nicht ganz, er schaffte es immer nur auf den zweiten Platz. Deshalb hält der Alte seinen Spross für einen Versager, obwohl der es zum erfolgreichen Werbemanager, Erfinder einer Kampagne für „Flüsterschubladen“ und Gatten einer perfektionistischen Karrierefrau (Thekla Reuten) gebracht hat. Der heruntergekommene Bungalow wirkt wie eine Zeitkapsel, eine dunkelbraun vertäfelte Erinnerungshöhle, in der neben den angeschrammten Möbeln auch die alten Kämpfe und Demütigungen weiterhin präsent sind.

Seine stärksten Momente hat Holger Haases Kinodebüt „Da geht noch was“, wenn er die tragikomisch eskalierende Geschichte seines Vater-Sohn-Konflikts an beiläufigen Details entwickelt. Dann verwandelt sich Henry Hübchen in der Paraderolle des ergrauten Misanthropen beim Schwimmtraining mit dem Enkel wieder in den alten Zuchtmeister, und den durchgesessenen Fernsehsessel will er keineswegs vom Sohn verschrotten lassen – schließlich hat er einst in ihm erlebt, „wie wir 1974 und 1990 Weltmeister wurden“. Bald ahnt der Zuschauer, dass Vater und Sohn gar nicht so verschieden sind, wie es anfangs schien, und dass der Alte weniger kotzbrockig ist, als er sich gibt. Doch versöhnungsmäßig geht noch was in diesem Mehrgenerationenhaus. Zuverlässig kriegt die Familienkomödie die Kurve zum genretypischen Happy End. Geht so. Christian Schröder

In fünfzehn Kinos

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