Kultur : Harter Papa, weiches Kind M. Night Shyamalans

„After Earth“.

von
Foto: Sony Pictures
Foto: Sony Pictures

Hat Will Smith das 130-Millionen-DollarBudget des von ihm geschriebenen und produzierten Science-Fiction-Reißers „After Earth“ missbraucht, um Propaganda für Scientology zu verbreiten? Das zumindest unterstellen Rezensenten in den USA, indem sie den Film in die Nähe der vom Scientology-Mitglied John Travolta produzierten Dystopie „Battlefield Earth“ (2000) rücken, die von L. Ron Hubbards kruden Endzeitfantasien inspiriert war.

Mancher mag die Selbstoptimierungsstrategien, die Will Smith als hartleibiger Elitesoldat dem halbwüchsigen und nach seinem Dafürhalten verweichlichten Filmsohn (gespielt von seinem 14-jährigen Sohn Jaden) in lebensbedrohlicher Lage einzubimsen versucht, so interpretieren. Allerdings hat „After Earth“ diese Botschaft im Science-Fiction-Film keineswegs exklusiv – man denke nur an die Vulkanier bei „Star Trek“.

Hinzu kommt: Die Mär vom Vater und Sohn, die als Raumschiffbrüchige auf der menschenverlassenen Erde stranden und sich mit ins Monströse mutierter Fauna und einem Killer-Alien herumschlagen müssen, ist nicht nur ideologisch fragwürdig, sie funktioniert auch sonst kaum. Schon die Möglichkeit, den technologischen Fortschritt einer auf einen anderen Planeten exilierten Menschheit zu schildern, wird in einer schludrigen Exposition vertan. Von wenigen hübschen Details abgesehen (mimetische Kleidung) ist die Ausstattung lieblos, das Szenario einer in einen barbarischen Urzustand zurückgefallenen Welt nicht in sich stimmig. Und die computeranimierten Zukunftskreaturen fallen weit hinter die Standards zurück, die James Camerons „Avatar“ gesetzt hat. Endgültig scheitert der Film aber an zwei Dingen: Zum einen hat Sohn Jaden noch nicht und Vater Will Smith nicht mehr die leinwandfüllende Präsenz, um eine Zweipersonen-Robinsonade zum Hingucker zu machen. Zum anderen setzt sich mit „After Earth“ der Abstieg der einstigen Regie-Hoffnung M. Night Shyamalan („The Sixth Sense“) fort, der sich hier ohne künstlerische Vision zum Erfüllungsgehilfen eines übermächtigen Produzenten/Drehbuchautors/Hauptdarstellers degradiert.Jörg Wunder

In 19 Kinos; OV im Cinestar SonyCenter und CineMotion Hohenschönhausen

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