Hegenbarth-Ausstellung in der Galerie Parterre Berlin : Der Wanderer mit Zeichenblock

Die Ausstellung "Moment und Dauer" feiert den Zeichner und Illustrator Josef Hegenbarth - mit Blick auf Zeitgenossen wie Otto Dix und zeitgenössische Künstler.

Giacomo Maihofer
Maskenball von Josef Hegenbarth, entstanden um 1935. Tusche auf Papier. Aus der Hegenbarth Sammlung Berlin.
Maskenball von Josef Hegenbarth, entstanden um 1935. Tusche auf Papier. Aus der Hegenbarth Sammlung Berlin.Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Der Kopf ist fast kahl, die Augen müde. Schlaff, erschöpft sieht Josef Hegenbarth aus, wie er von seinem Freund Otto Dix 1961 gezeichnet wurde. Hegenbarth ist krank. Der Illustrator, Zeichner und Humanist erlebt keine zwei Sommer mehr. Und doch kämpft er bis zum Ende: um seine Kunst fernab aller Moden und Strömungen. 1884 in Böhmisch-Kamnitz geboren, lehrte Hegenbarth bis Ende der Vierziger an der Kunsthochschule Dresden, an der er selbst studiert hatte.

Hegenbarth war Vorbild, Inspiration, Weggefährte. Sein realistischer Stil changiert leichtfüßig zwischen Gegensätzen, er verbindet Drama und Groteske, überschäumende Fantasie und strenge Naturbeobachtung, das Alltägliche mit dem Wunderlichen, Göttlichen. Oder wie es Kuratorin Kathleen Krenzlin ausdrückt: „Moment und Dauer“. Die gleichnamige Ausstellung in der Galerie Parterre lädt ein, Hegenbarths Werk zu erkunden: nicht als Retrospektive, sondern in Gegenüberstellung mit Freunden wie Dix, Generationsgenossen wie Horst Janssen und Karl Hubbuch und Positionen nachfolgender Zeichner.

Ein ewiger Wanderer mit Zeichenblock

Zwanzig Werke der Hegenbarth-Sammlung Berlin stehen im Mittelpunkt. Sie umreißen seine beständigen Versuche, Bewegung in unruhigen Straßenszenen einzufangen, Bewegtheit in den Porträts oftmals Fremder, die er in sein Atelier bat. Mit dem Zeichenblock wanderte Hegenbarth durch Cafés, Theater, Zirkusse, Zoos in Dresden und Prag, wo er lebte. In den Bildern zeigt sich seine Faszination für Artisten und Tiere. Geier, die ihre mit Tusche bedrohlich schwarz gezeichneten Flügel ausbreiten, Hunde, die sich selbst grimmig in den Schwanz beißen, Hühner, die kampfbereit umeinander kreisen.

Diese Motive, ebenso seine Art, Abstraktes anzureißen, ohne das Gegenständliche aufzugeben, verbindet ihn mit den Werken der anderen gezeigten Künstler. Nicht zuletzt, was er als seine Motivation seiner Kunst beschrieb: Zeichnen als Form des Sprechens – über den Menschen, die Natur, das Einzig- und das Eigenartige.

Galerie Parterre Berlin, Danziger Str. 101, bis 29. 1.; Mi bis So 13 – 21 Uhr, Do 10 – 22 Uhr, Katalog 18 €.

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