Kultur : Heißes Wachs für Chinas Kaiserthron Dahlem probt zum 2. Mal das Humboldtforum

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Der chinesische Kaiserthron aus dem 17. Jahrhundert mit den schillernden Intarsien gehört zu den größten Schätzen des Museums für Asiatische Kunst. Noch wird er in Dahlem in einem neutralen, weiß gestrichenen Raum präsentiert. Im Humboldtforum, wohin die Sammlung zusammen mit dem Ethnologischen Museum 2019 ziehen wird, sollen Objekte dagegen sinnlicher vorgeführt werden. Wie, das erproben Wissenschaftler, Kuratoren und Künstler in der Ausstellungsreihe „Humboldt Lab“. Zur Inszenierung des Throns haben sich in der zweiten Ausgabe nun die vier Künstler und Designer Kirstine Roepstorff, Simon Starling, Zhao Zhao und Konstantin Grcic Gedanken gemacht. Ausgerechnet der Chinese Zhao Zhao, einst Assistent bei Ai Wei Wei, ist am schonungslosesten vorgegangen. Er hat heißes, rotes Wachs über ein Modell des Throns gekippt, um an die Gewalttaten der Kaiserzeit zu erinnern und das brutale Vorgehen der heutigen kommunistischen Regierung zu kritisieren. Zugleich hat er ein Foto seines Kunstwerks über die chinesische Variante von Twitter veröffentlicht, damit chinesische Follower Kommentare abgeben können. Über einen Rechner im Museum lässt sich dies für die Ausstellungsbesucher verfolgen – auch für den Fall, dass sich die Zensur einschaltet. Zhao Zhaos Werk mag spannend sein, über das Objekt an sich erzählt es wenig.

Umso gelungener die Idee des Münchner Produktdesigners Konstantin Grcic, der vor den Thron ein Labyrinth aus Eisenbügeln gebaut hat. Er greift damit das verschlungene Muster im Paravent auf und verordnet dem Besucher eine verlangsamte Annäherung – vergleichbar der monarchischen Palastarchitektur mit ihren komplizierten Raumfolgen.

Dass Innovationseifer aber auch blind machen kann, zeigt die Videoarbeit der Regisseurinnen Janina Janke und Franziska Seeberg. Sie lassen den Kurator der Nordamerika-Sammlung Peter Bolz 30 Stunden lang sein Wissen über die Prärie-Indianer preisgeben. Wäre da nicht die gute alte, klassische Führung besser gewesen? Anna Pataczek

Eröffnung am So, 16.6., 11.30 Uhr, bis 27.10., Di–Fr 10–18 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr

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