Kultur : „Hier, Herr Ellis, ein leeres Buch“

Zum Tod des Reporters und Autors Marc Fischer

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Als Marc Fischer letztes Jahr in Frankfurt für die „Bild am Sonntag“ als Buchmessenreporter unterwegs war, begeisterte er sich vor allem an den Auftritten des von ihm verehrten US–Schriftstellers Bret Easton Ellis. Er ging sogar so weit, Ellis eine Buchattrappe unter die Nase zu halten und ihm zu sagen: „Hier, Herr Ellis, ein leeres Buch! Das ist doch im Wesentlichen das, worum’s in Ihrem Werk geht!“ Ellis dankte ihm und schrieb auf das Buch „Bret Easton Ellis – The empty book, a memoir“. Das Buch trug Fischer dann auf der Messe gern mit sich herum, froh über das Erlebnis und darüber, eine Geschichte erzählen zu können.

Darum ging es dem 1970 in Hamburg geborenen Marc Fischer als Reporter und Schriftsteller: um Geschichten, die sich in der Welt abspielten, in der er und seine Generation zu Hause waren; um wahre, vor allem aber unterhaltsame Geschichten zwischen Pop und Hochkultur. Vorbild für Fischer wie für viele seiner Kollegen, die mit ihm bis Mitte der neunziger Jahre beim Trend-Magazin „Tempo“ arbeiteten: der new journalism amerikanischer Prägung, Autoren wie Tom Wolfe oder Hunter S. Thompson.

Als „Tempo“ 1996 eingestellt wurde, die Popliteratur in Folge zu neuer, schönster Blüte gelangte, verlegte sich auch Fischer auf das Schreiben von Popromanen, die konventionell und schnell erzählt, aber mit dunklem Irrwitz ausgestattet waren. In seinem Debüt „Eine Art Idol“ von 2001 geht es um eine merkwürdige Organisation, eine Mischung aus Sekte, RAF, Robin Hood und eben der Terror-Modelclique aus Bret Easton Ellis’ Roman „Glamorama“.

„Jäger“, erschienen 2002, war der Roman zur Medienkrise, mithin des Popjournalismus überhaupt. Darin erzählt Fischer, wie ein ausgebrannter Medienarbeiter und ein Dandyschriftsteller beim Hochseefischen vor Kubas Küste zu sich selbst finden. In den folgenden Jahren arbeitete Marc Fischer als Autor und Reporter für verschiedene Zeitungen und Magazine. Nachdem vergangenes Jahr von ihm das Buch „Fragen, die wir unseren Eltern stellen sollten (solange sie noch da sind)“ erschienen war, begab sich Fischer in Rio de Janeiro auf die Spuren der brasilianischen Sängerlegende João Gilberto. Sein Buch darüber erscheint Ende April bei Rogner und Bernhard: „Hobalala – Auf der Suche nach João Gilberto“. Am Samstagabend ist Marc Fischer in Berlin gestorben.Gerrit Bartels

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