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Josef Fares erfindet mit „Kops“ ein neues Genre – die Einsparungskomödie

Silvia Hallensleben

Mit einer so wilden Visage wie der von Fares Fares kann einer in Schweden wohl nur Komödiant werden – oder womöglich kriminell. Fares Fares ist Schauspieler geworden und ein recht erfolgreicher dazu. Jetzt gibt er in „Kops“ seines Bruders Josef Fares einen melancholischen Kleinstadtpolizisten, und man glaubt ihm die biedere Rolle sofort und gern. Gemeinsam mit seinen Dienststellenkollegen repräsentiert er mit Würde das Gesetz in Högsboträsk.

Ungewohnt menschlich verschroben sind die drei mit ihren kleinen Privatproblemen vielleicht nur für das große Kino: Jacob (Fares Fares) kann die häusliche Einsamkeit nicht ertragen und baggert beim Blind Date mit albernen Tricks ausgerechnet die aus der Hauptstadt angereiste hübschforsche Dienstaufseherin an. Agneta (Sissela Kyla) und Lasse (Göran Ragnerstam) sind nicht nur dienstlich ein Paar und deutlich in der Mittelehekrise angekommen. Und Benny (Torkel Petersson) träumt davon, ein richtiger Cop zu sein, der mit ein paar Revolverspielchen aus dem Handgelenk und viel Action-Getöse die Unterwelt Disziplin und Schrecken lehrt. Doch in Wirklichkeit passiert wenig in Högsboträsk, und das Quartett vertreibt sich die Dienstzeit eher gemütlich mit Würstchenholen, Bastelarbeiten und anderen drängenden Wachstubentätigkeiten. Genau da liegt auch das Problem: Jessica Lindtblatt nämlich, die Dienstaufseherin aus der Hauptstadt (Eva Röse), wurde mit dem bösen Auftrag nach Högsboträsk geschickt, die Polizeistation wegen fehlender Kriminalität aufzulösen.

Erst versuchen die überflüssigen Cops noch, politische Gegenwehr zu organisieren. Doch nachdem die Bevölkerung nicht recht drauf anspringen will, sinnen die Ersten auf Selbsthilfe. Der Statistik kann man ja nachhelfen. Erst ist es nur ein umgestürzter Papierkorb, der das bisher so friedliche Städtchen in Unruhe stürzt. Dann geschieht der erste Diebstahl der Högsboträsker Kriminalgeschichte, auch wenn es nicht einfach ist, ihn zur öffentlichen Wahrnehmung zu bringen. Und langsam schaukelt sich die Verbrechensrate zu ungeahnten Höhen hoch.

Zugegeben, eine schlichte Story: Doch die Umsetzung ist brillant. Und die Idee von „Kops“ ist so nahe liegend und hart am Zeitgeist allgegenwärtiger Rationalisierungsmaßnahmen, dass es erstaunt, dass bisher noch kein aufstrebender Drehbuchautor darauf gekommen ist. So ist es ganz das Verdienst des schwedischen Jungregisseurs Josef Fares, mit „Kops“ das Urbild eines neuen Subgenres geliefert zu haben, der Einsparungskomödie.

Fares, 1977 im Libanon geboren, hatte vor zwei Jahren – damals noch als Filmstudent, doch auch mit Petersson und Bruder Fares in den Hauptrollen – mit „Jalla!Jalla!“ gezeigt, wie sich aus dem bescheidenen Alltag des gewöhnlichen Sozialhilfeempfängers satirisches Spitzenkino fabrizieren lässt. Ein Film, der damals neben Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Drückebergerei sogar ein so abgedroschenes Thema wie die Potenzstörung frisch beleuchtete. Auch „Kops“ erfreut mit orginellen Einfällen, konzisen Dialogen und einer Darstellercrew, die die schmucken blauen Polis-Uniformen mit professioneller Routine füllt. Und sogar Special-Effect-Fans können sich freuen. So werden etwa Bennys hollywoodactioninduzierte Macho-Träume liebevoll und detailreich nachinszeniert.

In Hollywood wird angeblich schon an einem Remake des schwedischen Erfolgsfilms mit Adam Sandler gebastelt. Doch das kann eigentlich nichts werden. Denn erst das Gesicht von Fares Fares macht aus der hübschen Komödie eine wirklich tragikomische Geschichte. Und so was können sie in Hollywood bestimmt nicht brauchen.

Balazs, Cinemaxx Colosseum und Potsdamer Platz, Cinestar Tegel, Kant, Moviemento

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