Hilfe vom Senat benötigt : Grips-Theater steht vor der Pleite

Hochberühmt und unterfinanziert: Das Grips Theater steht unverschuldet vor der Pleite. Dabei fehlen nur 150 000 Euro zu seiner Rettung. Jetzt muss der Berliner Senat handeln.

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Existenzkampf . „Die besseren Wälder“ von Martin Baltscheit ist die jüngste Produktion des Grips Theaters. Das Stück wurde 2010 mit dem Deutschen Jugendtheaterpreis ausgezeichnet und kürzlich mit großem Erfolg in Berlin uraufgeführt.
Existenzkampf . „Die besseren Wälder“ von Martin Baltscheit ist die jüngste Produktion des Grips Theaters. Das Stück wurde 2010...Foto: Baltzer/Zenit

Richtig hingeschaut hat man nicht, aber mächtig pauschalisiert, als in den vergangenen Wochen über einen angeblichen Infarkt der Kultur diskutiert wurde. Von Übersättigung und fetten Staatskunstapparaten war viel die Rede, dabei erwies sich die Debatte vor allem als bemerkenswert realitätsfern.

Tatsächlich operiert manch staatlich subventioniertes Theater am unteren Rand – an Auftrag und Leistung gemessen. Das Grips Theater, weltweit geschätzt für seine Kinder-, Jugend- und Erwachsenenstücke, ist prekär finanziert. Sein Gründer, Autor und Geschäftsführer Volker Ludwig hat Klassiker wie die „Linie 1“ oder „Ab heute heißt du Sara“ geschaffen, ist mit seinem Ensemble um den Globus getourt, hat Preise und Ehre gesammelt. Daheim, am Hansaplatz, rang er zäh und wenig spektakulär um die Existenz dieser Berliner Institution, die einen ganz eigenen Stil und Generationen von Kindern und Eltern geprägt hat.

Jetzt aber ist die Grenze erreicht. Das Grips Theater steht trotz anhaltender Erfolge vor der Pleite. Volker Ludwig ruft den Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit um Hilfe an. Er schreibt: „Dieser Brief ist mein allerletzter Versuch, einen auch für die Berliner Kultur desaströsen Eklat abzuwenden. Das Grips Theater ist in den letzten acht Jahren trotz gleichbleibender Höchstleistungen dermaßen ausgeblutet, dass eine Insolvenz unvermeidlich ist, wenn nicht binnen vier Wochen endlich etwas Greifbares geschieht. Zwar bin ich schon ganz schief vom vielen Schulterklopfen, ertrinke fast in einem Meer von Verehrung, Liebe und Verständnis, auch vonseiten der Kulturverwaltung, doch was hilft mir das, wenn sie nicht handelt?“

Die Lage ist unverschuldet – es sei denn, man wollte der Theaterleitung vorwerfen, dass sie jahrelang die kleinen finanziellen Spritzen hingenommen hat, mit denen das Grips Theater am Leben gehalten wurde, ohne dass sich die bedrohliche Situation grundsätzlich geändert hätte. Ludwig spricht von einer „strukturellen Unterfinanzierung“ seines kleinen Hauses, das mit anderen Bühnen nicht verglichen werden kann. Denn Theater für Kinder und Jugendliche bringen kaum Einnahmen. Die Ticketpreise sind zu gering. Auch mit Gastspielreisen ist im Kinder- und Jugendtheater nichts zu verdienen. Lange bevor die Idee der kulturellen Bildung schick wurde, hat das Grips Theater sich darum gekümmert. Wenn es nun aus Geldnot auf Schulvorstellungen und Neuproduktionen verzichten müsste und nur noch abends spielt, hätte das Theater seine Geschichte, seinen Sinn verloren.

In nackten Zahlen: Der Senat unterstützt das Grips Theater mit rund 2,7 Millionen Euro im Jahr. Eine dauerhafte Erhöhung dieses Betrags um lächerliche 150 000 Euro bringt die Rettung. Bisher jedoch hat man Volker Ludwig und seinen Mitarbeitern, die seit Jahren keine Tariferhöhung bekommen haben, mit 50 000 Euro lediglich ein Drittel der benötigten Summe in Aussicht gestellt. Das sei ausreichend, damit müsse das Grips wirtschaften, erklärt der Sprecher der Kulturverwaltung, die anderen Bühnen selbstverständlich die Tariferhöhung bezahlt. Den Jahreswechsel hat das Theater nur mit einem Bankkredit und aufgeschobenen Gehalts- und Honorarzahlungen überstanden, während die Kosten für Miete, Verwaltung, Ausstattung gestiegen sind. Es ist die klassische Selbstausbeutung der siebziger und achtziger Jahre, die das Grips Theater bis heute zu praktizieren gezwungen ist.

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