Kultur : Hölle unter Hollywood

Weltuntergangsgroteske: Seth Rogens Regiedebüt „Das ist das Ende“.

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Es geht abwärts.
Es geht abwärts.Foto: dpa

Wenn man schon das Ende der Welt miterlebt, könnte es dafür schlechtere Orte geben als die mit allen Raffinessen ausgestattete Hollywood-Villa von Filmstar James Franco. Dort findet gerade eine dekadente Einweihungssause statt, als die Hölle losbricht. Wo eben noch gekokst, gevögelt und auf jede erdenkliche Weise rumgeschweinigelt wurde, werden plötzlich Jungschauspieler von Laternenpfählen aufgespießt und Pop-Weltstars von klaffenden Erdspalten verschluckt.

Von der illustren Partygesellschaft überleben neben Franco nur seine Buddys Seth Rogen, Jonah Hill, Craig Robinson, Jay Baruchel und Danny McBride – mithin die Crème der jüngeren Hollywood-Comedygeneration. Als das Sextett nach Sichtung dämonischer Unwesen feststellt, dass die Ereignisse über ein westküstentypisches Erdbeben hinausreichen, verschanzt man sich in dem luxuriösen Anwesen. Doch in Francos Singlehaushalt, dessen Drogenvorräte eine Kleinstadt betäuben könnten, sind Banalitäten wie Lebensmittel und Wasser Mangelware. Bald blättert der Firnis der Zivilisation, wenn sich ziemlich beste Freunde um den letzten Snickers-Riegel prügeln.

„Das ist das Ende“ funktioniert als Weltuntergangsgroteske mit doppeltem Boden. Der Clou des gemeinsamen Regiedebüts von Seth Rogen und Evan Goldberg besteht darin, dass alle Beteiligten „sich selbst“ spielen – was natürlich bedeutet, dass sie mit viel Improvisationsfreude dem Drehbuch von Rogen/Goldberg entsprechende Fiktionen ihrer selbst verkörpern. Diese spiegeln oder konterkarieren die Erwartungshaltungen eines Publikums, das die Promis über ihre Filmcharaktere oder die Berichterstattung in der Regenbogenpresse zu kennen glaubt. Da ist James Franco dann eben auch „in echt“ der ölige Luftikus, als den man ihn im Kino oft erlebt hat, Seth Rogen der herzensgute Tölpel wie in „Beim ersten Mal“, Jonah Hill ein harmoniesüchtiges Weichei wie in „Männertrip“. Und sind sie nicht vielleicht „wirklich“ so?

Auf die Spitze getrieben wird das Prinzip der Selbstveräppelung bei den furchtlosen Cameos: Der brave Michael Cera mutiert zum koksenden Sex-Maniac, Emma „Hermine“ Watson zur axtschwingenden Survival-Amazone, Channing Tatum zum Pornosklaven mit Ledermaske – und das sind nur die bizarrsten einiger blutig endenden Gastauftritte.

Rogen und sein Ratpack haben den zotigen Humor der Judd-Apatow-Komödienschule mit Selbstreferenzialität aufgeladen. Und vernachlässigen dabei nicht den anarchischen Spaß, der einen auch das Jüngste Gericht mit debilem Grinsen überstehen lässt.Jörg Wunder

In 14 Berliner Kinos, Originalfassung

im Cinestar SonyCenter

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