Kultur : Holly, Horror, Happy End

Romantisch komisch: „So spielt das Leben“

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Das erste Date ist eine Katastrophe. Mit über einer Stunde Verspätung steht Eric (Josh Duhamel) vor der Tür, hat weder eine Diner-Reservierung noch ein geeignetes Fahrzeug vorzuweisen und handelt auf dem Weg ins Restaurant telefonisch bereits eine Anschlussverabredung mit einer anderen Frau aus. Sehr viel mehr kann man in der streng reglementierten amerikanischen Kennenlernkultur wohl nicht falsch machen.

Für Holly (Katherine Heigl) ist der Kerl abgehakt. Noch am selben Abend sagt sie der Freundin, die das Blind Date arrangiert hat, dass sie diesen Typen nie wieder sehen will. Daraus wird natürlich nichts. Schließlich bewegen wir uns auf dem Terrain der romantischen Komödie, und da muss mit aller dramaturgischer Gewalt auch zusammenwachsen, was nicht zusammengehört. Also werden hier die beiden Streitvögel von den gemeinsamen Freunden als Paten eines liebreizenden Töchterchens aneinandergekettet. Schon bald schicken die Drehbuchautoren die Eltern per Autounfall in den Tod und übertragen Holly und Eric testamentarisch das gemeinsame Sorgerecht für das Baby.

Nach diesem Hammerschlag hat Regisseur Greg Berlanti alle Mühe, sein Schiffchen zurück in die seichten Gewässer der Beziehungskomödie zu lenken – behilflich ist dabei unter anderem eine vollgekackte, zum biochemischen Großereignis hochstilisierte Windel. Ein Filmemacher wie Mike Leigh hätte sogar aus solcher Konstellation womöglich eine brillante Tragikomödie gezaubert, aber diesem vorformatierten Hollywood-Produkt fehlen die Zwischentöne, um aus Trümmern glaubhaftes Glück neu entstehen zu lassen. Und so wirkt der aufkeimende Geschlechterkampf zwischen den beruflich voll eingespannten Erziehungsberechtigten genauso papieren wie die Momente gemeinsamen Elternglücks, die mit ermüdender Unaufhaltsamkeit über alle Hürden hinweg ins familiäre Happy End münden. Martin Schwickert

In 15 Berliner Kinos; Originalversion im Cinestar SonyCenter

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