"Ice Age 4" : Völlig von der Scholle

Das prähistorische Patchworkrudel um Wollhaarmammut Manni, Säbelzahntiger Diego und Faultier Sid steckt mal wieder in der Patsche. Der rasante Eiszeit-Animationsfilm „Ice Age 4“.

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Auf großer Fahrt. Manni, Diego, Sid und Co. treiben auf dem Eis.
Auf großer Fahrt. Manni, Diego, Sid und Co. treiben auf dem Eis.Foto: 20th Century Fox/dapd

Ein weiterer Katastrophen auslösender Versuch des nichtsnutzigen Nagetiers Scrat, seine granitharte Eichelnuss zu knacken, führt in „Ice Age 4 – voll verschoben“ zum Auseinanderbrechen des Urkontinents Pangea. Und natürlich geht der seismische Riss mitten durch familiäre Bande: Manni, der als überprotektiver Vater versucht, seine pubertierende Tochter von den Gefahren des Abhängens mit den anderen halbstarken Mammuts zu überzeugen, wird mit Diego, Sid und dessen halbseniler Oma auf einer Eisscholle ins offene Meer getrieben. Während die an Land verbleibende Urzeitfauna von den sich unaufhaltsam voranschiebenden Gebirgsmassen bedroht wird, muss sich das bewährte Heldentrio mit einer Schiffsladung ruchloser Piratentiere herumschlagen, deren Anführer, ein cholerischer Riesenprimat, deutlich an Geoffrey Rushs Darstellung des Captain Barbossa in „Fluch der Karibik“ angelehnt ist.

„Ice Age 4“ ist ein routiniertes, letztlich aber etwas überraschungsarmes Sequel. Technisch und visuell auf gewohnt hohem Niveau bleibt der Film vom innovativen Grenzgängertum und der inhaltlichen Vielschichtigkeit von Pixar-Werken wie „WALL-E“ oder „Toy Story 3“ weit entfernt. Seine Stärken liegen eher in der liebevollen Figurenzeichnung der Charaktere, wozu die sowohl im Original wie in der deutschen Synchronisation prominente Sprecherriege ihren Teil beiträgt. Zudem besticht die in nur 86 Minuten rasant und äußerst kurzweilig erzählte Geschichte mit einigen brillanten Pointen. Die Story selbst ist durch die größere Anzahl der Akteure zwar etwas komplexer als zuvor, bleibt aber kindgerecht und dürfte wegen der schlichten und leicht zu durchschauenden Motive der Protagonisten auch sehr junge Zuschauer kaum überfordern: Manni hat seine Familie verloren? Logisch, dass der gutmütige Fellriese alles daran setzt, zu den Seinen zurückzugelangen. Diego verliebt sich in eine säbelzähnige Piratenbraut? Natürlich müssen die beiden stolzen Großkatzen erstmal misstrauisch umeinander herumschleichen, ehe die Gefühle rausdürfen. Und Sid macht zwar die schmerzvolle Erfahrung, dass seine verschollen geglaubte Familie ein asozialer Haufen ist, ist aber in seiner Faultiergelassenheit durch nichts zu erschüttern.

Im Vergleich mit den beiden anderen in diesem Sommer anlaufenden Werken der Konkurrenz offenbaren sich die verschiedenen Ansätze der großen amerikanischen Animationsfilmstudios. Während Fox und Dreamworks mit „Ice Age 4“ und „Madagascar 3“ auf die Zugkraft bewährter Marken setzen, wagt sich Pixar mit dem Mittelaltermärchen „Merida – Legende der Highlands“ auf neues Terrain. In Deutschland sind die Starttermine der in den USA unmittelbar konkurrierenden Filme auseinandergezogen: „Merida“ kommt im August, „Madagascar 3“ erst im Oktober in die Kinos, also in gebührendem Abstand zum mutmaßlichen Branchenprimus: „Ice Age 3“ war in Deutschland mit neun Millionen Zuschauern der erfolgreichste Animationsfilm aller Zeiten. Somit dürfte auch der vierte Teil der Urzeitsaga kaum Probleme haben, zum Ferienblockbuster 2012 zu werden.

Ab 2. Juli in 25 Berliner Kinos. OV im Cinestar Sony Center.

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