Kultur : Ich bin Maler

Gemischtes Doppel bei Raab: Dieter Hacker und Alke Brinkmann beschäftigt „Immer nur das Eine“

Michael Zajonz

Nicht immer macht ein Vierteljahrhundert auch eine Generation. Der Maler Dieter Hacker wurde 1942 geboren, seine Künstlerfreundin und Kollegin Alke Brinkmann 25 Jahre später. Vor zehn Jahren lernten sie sich in Berlin kennen. So verschieden ihre künstlerischen Handschriften sein mögen – beide stehen für einen traditionellen Bildbegriff. Und der dreht sich bekanntlich um „Immer nur das eine“, so behauptet jedenfalls der Titel ihrer ersten Doppelausstellung bei Ingrid Raab. Sie vereint je rund 20 Gemälde und Zeichnungen von Brinkmann und Hacker, die beider Menschenbild, teils sogar dasselbe Modell umkreisen: Hackers Frau Lilli ist mit Alke Brinkmann befreundet.

Dabei könnten ihre künstlerischen Ausgangspunkte, die sich in Ateliergesprächen angenähert und schließlich in den „Lilli-Bildern“ produktiv gekreuzt haben, verschiedener nicht sein. In den sechziger Jahren seien Traditionalisten, so erinnert sich Hacker an seine Münchner Studienzeit, „entweder Dummköpfe oder Schlafmützen“ gewesen. Grund genug, die figurative Malerei zu Gunsten anderer Ausdrucksformen zurückzustellen. Nach einigen trotzigen Gegenbehauptungen bekannte Hacker erst 1989 in einem programmatischen Aufsatz: „Ich bin Maler.“

Alke Brinkmann studierte Anfang der neunziger Jahre bei Wolfgang Petrick an der Berliner HdK. Für Aufsehen sorgte damals eine Serie großformatiger Zeichnungen mit dem Titel „Tote Menschen“, in der sie das ritualisierte Bild des Naziopfers in individualisiertes Gedenken zurückübersetzte. Könnte man Hackers Annäherung an das humanistisch tradierte Menschenbild konzeptionell nennen, ist Alke Brinkmanns Zugang entscheidend durch biografische Bezüge geprägt.

Auch in der aktuellen Schau vollzieht sie diesen produktiven Schlenker. Neben Aktdarstellungen und Porträts (berückend privat: Lilli X, 3.800 Euro) stehen drei Großformate, in denen sie sich mit dem 1945 begonnenen Tagebuch ihrer Großmutter auseinander setzt. So in „Sinjes Hochzeit“ (4.100 Euro), einer giftgrünen Paraphrase auf Manets „Frühstück im Freien“, das zugleich ein Hochzeitsbild der in New York lebenden Schwester ist. Als Schrift im Bild entziffern wir Sätze von Brinkmanns Großmutter, etwa: „Die Juden waren wir losgeworden und damit die Unreinheit und Unsittlichkeit in Kinos, Theatern und in der Literatur, alles das und noch so viel anderes mehr soll uns nun genommen werden.“ Dies propagandablecherne Sütterlin kontrastiert merkwürdig mit dem in farbkräftigen Pinselstrichen umgesetzten Familienfoto.

Dieter Hacker, der auch ältere Werke wie das 1990 bei Dieter Brusberg ausgestellte „Viereck mit schwarzer Frau“ (25000 Euro) präsentiert, besticht vor allem durch zwei aktuelle Großformate. In „Der Sieg des Realismus über die Abstrakten“ und „Lilli, Lilli und Jutta“ (je 30000 Euro) rekurriert er auf Brice Mardens abstrakte Farbfeldkomposition „Nebraska 1966“. Vor der teils fliederfarbenen, teils in gedämpftem Caput mortuum gehaltenen Folie der jüngeren Malereigeschichte entfaltet Hacker sein persönliches Glaubensbekenntnis: Lilli erscheint als überlebensgroße Heroine seiner Malerei.

Raab Galerie im Kantdreieck, Fasanenstr. 81, bis 16. August. Montag bis Freitag 10-19 Uhr, Sonnabend 10-16 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben