Kultur : Ich will’s werden!

Der Satiriker Oliver Maria Schmitt im Wahlkampf.

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Oliver Maria Schmitt will Bundeskanzler werden. Dafür ist er von seiner Partei „Die Partei“ zum Spitzenkandidaten gekürt worden, nachdem er sich 2012 vergeblich zum Oberbürgermeister von Frankfurt am Main wählen lassen wollte. Wie er die Sache angehen wird, schildert der Satiriker und Journalist nun in seinem Buch „Mein Wahlkampf“. Schmitt hat viel Erfahrung, stellte er sich doch bereits 1988 (Landtagswahlen in Baden-Württemberg) und 1991 (Bürgermeisterwahlen in Heilbronn) als Kandidat auf. Hauptthema dieses Buches ist allerdings sein Wahlkampf in Frankfurt.

Seit der Gründung der durch die Redaktion des Satiremagazins „Titanic“ eingetragenen Partei steht auch dem Ehrenvorsitzenden Schmitt ein Parteiapparat zur Verfügung. Den gelte es für seine persönlichen Zwecke zu missbrauchen, findet Schmitt. Episodisch schildert er seine Aktionen vom obligatorischen Stand in der Fußgängerzone bis hin zu Guerilla-Auftritten auf fremden Veranstaltungen oder Haustürbesuchen als unsympathischer CDU-Spitzenkandidat. Schmitts Wahlprogramm: „9,5 Thesen für Frankfurt – und keine für Offenbach“.

Während seine Partei einen schmierigen und inhaltsleeren Wahlkampf propagiert, schmiedet Schmitt Pläne, eine große Bronzestatue von sich errichten zu lassen, das Bankenviertel unter die Erde zu verlegen und im Frankfurter Zoo nur noch niedliche Tiere auszustellen.

Besonders stark wird dieses Buch immer dann, wenn Schmitt sich erprobter Erfolgsstrategien bedient. Wie Bausteine fügt er sie neu zusammen und entlarvt deren Absurdität. Auf dem Plakat mit der Adenauer-Parole „Keine Experimente“ etwa posiert er mit Kaninchen auf dem Schoß. Zuvor waren andere Tiere getestet worden: „Mit einer Katze auf dem Schoß wirkte ich entweder pervers oder diabolisch, mit zwei Katzen beides zugleich, mit Katze auf der Schulter wie verhext.“

Oliver Maria Schmitt hat schon bessere Texte geschrieben. „Mein Wahlkampf“ aber bleibt konsequent, vor allem bricht das Buch an keiner Stelle die Illusion, dass das alles ganz ernst gemeint ist. Das ist auch gut so. Denn Politik, insbesondere aber deren inhaltliche Aushöhlung durch Populismus, Heuchelei und Machtstreben, ist eine ernsthafte Angelegenheit. Dennis Grabowsky

Oliver Maria Schmitt: Mein

Wahlkampf. Rowohlt Berlin, Berlin 2013.

240 Seiten, 9,99 €.

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