Im Kino: "90 Minuten - Bei Abpfiff Frieden" : Steil gepasst

Bitterböse Politsatire aus Israel: „90 Minuten - Bei Abpfiff Frieden“ fragt mit schwärzestem Humor, ob man den Nahostkonflikt vielleicht auf dem Fußballplatz klären könnte?

Carolin Haentjes
Moshe Ivgy und Detlev Buckc
Moshe Ivgy und Detlev Buck in "90 Minuten - Bei Abpfiff Frieden".Foto: Camino Filmverleih

Alle zwei Jahre erklingt es wieder, aus Tröten, Hupen, Männerkehlen – das völkerverbindende Hohelied auf den Fußball. Warum da nicht auch den verworrensten politischen Konflikt der modernen Geschichte auf dem Fußballplatz klären, statt jahrzehntelang ergebnislos zu verhandeln und bloß noch mehr Blut zu vergießen – also: zwei Halbzeiten Keilerei plus Happy End? „90 Minuten: Bei Abpfiff Frieden“, das Mockumentary des israelischen Regisseurs Eyal Halfon kommentiert die zur Verzweiflung treibende, ins Absurde reichende Endlosschleife des Nahostkonflikts auf die vielleicht letztmögliche Art und Weise: Mit schwärzestem Humor und zielsicheren Satire-Schüssen nach allen Seiten.

Ein „Camp David des Fußballs“ hat naturgemäß ein paar Hürden zu nehmen – etwa die Verhandlungen über einen neutralen Schiedsrichter oder Einigungen darüber, welche Spieler nominiert werden dürfen. Nur dass hier die üblichen Zankereien im israelisch-palästinensischen Konfliktmodus abgehandelt werden. Da sitzen ziemlich bald den gegnerischen Fußballmanagern – auf israelischer Seite Moshe Ivgy, auf palästinensischer Seite Norman Issa – die Krawatten zu eng. Und ihre einzige Gemeinsamkeit ist eine Qual: ein fieses Sodbrennen.

Indes wird dem deutschen Trainer der israelischen Mannschaft (Detlev Buck) die historische Verantwortung gegenüber dem jüdischen Volk denn doch ein bisschen viel – und das „only football“-Mantra glaubt er bald selbst nicht mehr. Spielermütter randalieren, weil sie ihre Söhne zum Fußball und nicht zum Militär geschickt haben. Proteste formieren sich, beide Parteien träumen vom Sieg und treffen Vorkehrungen für den möglichen Exodus. Köstlich, diese bitterböse Politsatire. Die Lacher treiben einem Tränen in die Augen, und am Ende bleibt: Gelächter.

Acud, Cubix, Kulturhaus Spandau; OmU: Babylon Mitte, Tilsiter Lichtspiele und fsk am Oranienplatz

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