Im Kino: Actionthriller „Sleepless“ : Schlaflos in Las Vegas

Der Schweizer Regisseur Baran bo Odar gilt als Hoffnung des deutschen Genrefilms. Mit „Sleepless“ hat er sein Hollywood-Debüt gegeben. Es ist leider nur halb geglückt.

Thomas Groh
Virile Potenz. Der Polizist Vincent (Jamie Foxx) und seine Schrotflinte.
Virile Potenz. Der Polizist Vincent (Jamie Foxx) und seine Schrotflinte.Foto: Tobis Verleih

Die Cops Vincent (Jamie Foxx) und Sean (Tip Harris) haben besonders schmutzige Methoden: Mit Insider-Informationen überfallen sie Drogentransporte, die Beweismittel landen jedoch nicht in der Asservatenkammer, sondern in der eigenen Tasche. Ein riskantes Geschäftsmodell: Die letzte Ausbeute, mehrere Kilogramm Kokain, erweist sich denn auch als eine Nummer zu groß. Um seine Drogen zurückzubekommen, entführt der Casino-Besitzer Rubino (Dermot Mulroney) Vincents Sohn, Vincent selbst wird bei dem Angriff schwer verletzt. Zugleich steigt der Druck aus den eigenen Reihen: Die interne Ermittlerin Bryant (Michelle Monaghan) überwacht Vincent, als dieser sich zu Rubinos Casino schleppt, um seinen Sohn zu befreien.

Mit dem Hacker- Thriller „Who Am I“ empfahl sich der in Berlin lebende Schweizer Regisseur Baran bo Odar 2014 als neue Hoffnung des in Deutschland notorisch unterrepräsentierten Genrefilms. Auch in Hollywood weckte der Film Interesse. Doch wo „Who Am I“ für deutsche Verhältnisse eine Ausnahme darstellte, wirkt „Sleepless“ in Hollywood eher wie eine Routinearbeit – auf einem Feld zudem, auf dem die US-Filmindustrie ohnehin bestens aufgestellt ist. Düster-pessimistische Actionthriller, in denen alternde Darsteller entführte Familienmitglieder retten, bilden mittlerweile ein eigenes Subgenre.

Zur Profilierung setzt „Sleepless“ vor allem auf körperliche Wucht und den Fetisch der Oberflächen. Die nächtlichen Kulissen und die räumlich-zeitliche Beschränkung liefern hier zahlreiche Anreize. „Sleepless“ verliebt sich manchmal etwas zu sehr in die Neonlichter und Reflexionen in den Straßen von Las Vegas. Doch sobald sich der Plot zu einer Jagd durch die verschachtelten Hinterzimmer des Casinos verdichtet, dominiert das Muskelspiel. Eine lähmende Gravitas lässt sich dabei nicht leugnen: Mitunter wirkt „Sleepless“ so schwerfällig wie Jamie Foxx unter seinen Muskelpaketen.

Aufschlussreich ist der Vergleich mit der filmischen Vorlage, dem französischen Thriller „Sleepless Night“ (2011) von Frédéric Jardin: ein drahtiger Actionfilm, dem es weniger darum geht, die eigene Professionalität und Kontrolle über das Bild auszustellen. Stattdessen stellt er seine Kunstfertigkeit im Zusammenspiel von Kamera, Choreografie und Schnitt ohne viel Budenzauber allein in den Dienst der Sache. Wo Baran bo Odars Remake das zugespitzte, aufgeputschte Bild sucht und seine Faustkämpfe fast schon statuarisch anmuten, sucht das Original in der Action eine körperliche Verbindlichkeit.

Der Transfer nach Hollywood ist daher nur halb geglückt. Doch trotz seiner virilen Potenz und der Lust am dekadenten Glamour gönnt sich „Sleepless“ auch kontemplative Momente, die zum Ausschweifen einladen. So rücken die Luftaufnahmen vom nächtlichen Las Vegas immer wieder den nicht minder potenten Trump-Tower ins Bild.

In 13 Berliner Kinos, OV: Cinestar Sony Center

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