Im Kino: "Die glorreichen Sieben" : Actionlastig, stargespickt - und ansonsten öde

Antoine Fuquas Variation auf „Die glorreichen Sieben“ kann nicht begeistern.

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Der Desperado Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo, links) und der Glücksspieler Josh (Chris Pratt).
Schießeisenhart. Der Desperado Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo, links) und der Glücksspieler Josh (Chris Pratt).Foto: dpa

Schwer zu sagen, ob der anhaltende Hang zum Remake in Hollywood eher Ausdruck von Hybris oder Demut ist – von der Selbstüberschätzung also, es jederzeit noch mit den größten Klassikern der Filmgeschichte aufnehmen zu können, oder von einem Minderwertigkeitskomplex, der bewährte Stoffe automatisch jeder eigenen Idee überlegen erscheinen lässt. Wobei die Annahme, Remakes kämen mit weniger Ideen aus als Filme mit originärer Handlung, freilich trügt. Viel heftiger als bei anderen Filmen stellt sich bei ihnen die Sinnfrage. Schließlich wurde die Geschichte bereits erzählt - und das in aller Regel sehr gut, denn die Ehre einer Neuverfilmung kommt grundsätzlich nicht den verbesserungsbedürftigen Fehlschlägen, sondern herausragenden Erfolgen zuteil. Wozu sie also überhaupt erneut erzählen?

Die Antwort findet sich in den Änderungen, die die neue Fassung gegenüber der Originalversion vornimmt. Bei John Sturges' „Die glorreichen Sieben“ (1960) ist der Fall klar: Er greift auf Akira Kurosawas Klassiker „Die sieben Samurai“ (1954) zurück und versetzt die Handlung aus dem feudalen Japan des 16. Jahrhunderts in den damals äußerst publikumswirksamen Wilden Westen. Außerdem reduziert er die Spielzeit von über dreieinhalb Stunden auf zuschauerfreundliche zwei und ersetzt das karge Schwarzweiß durch Technicolor im Breitwandformat. Sturges’ Remake mochte in keinerlei Hinsicht an sein Samurai-Vorbild heranreichen; die Daseinsberechtigung der Western-Version aber bleibt unbestreitbar.

Anspielungen auf die Occupy-Bewegung

Wenn nun der Regisseur Antoine Fuqua wiederum eine Neuauflage von „Die glorreichen Sieben“ wagt, scheint er wild entschlossen, die unausweichliche Frage nach der Legitimation im Keim zu ersticken.

Das zeigt sich von Anfang an: In einer Kirche hat sich die Dorfgemeinschaft eingefunden und diskutiert, wie dem skrupellosen Goldmagnaten Bartholomew Bogue (Peter Sarsgaard) zu begegnen sei, der den Ort mit seinen schießwütigen Schergen tyrannisiert. „Dieses Land hat seit Langem Demokratie mit Kapitalismus gleichgesetzt, und Kapitalismus mit Gott“, predigt der in die Sitzung hineinplatzende Bogue – und stellt den Dorfbewohnern ein Ultimatum, bis zu dem sie ihm das Land zu einem symbolischen Preis überlassen müssen. Bei seinem Abgang richtet er ein Blutbad an und brennt die Kirche nieder.

Keine marodierende, selbst von Entbehrungen gezeichnete Räuberbande wie bei Kurosawa und Sturges ist es hier, die das Dorf bedroht, sondern ein Geschäftsmann, reich genug an Geld und Einfluss, um über dem Gesetz zu stehen. Ein Mitglied des Establishments oder, im Jargon der Occupy-Bewegung: des One Percent. Eine durchaus zeitgemäße Abwandlung – schade nur, dass sie sich in dieser Anfangsszene bereits restlos erschöpft. Als hätten die Autoren Richard Wenk und Nic Pizzolatto den Relevanz-Aspekt damit für abgehakt erklärt, fehlen fortan aktuelle Bezüge – und das, obwohl es zahlreiche Gelegenheiten gegeben hätte.

Multikulturelle Revolverhelden

So ist etwa die von der Dorfgemeinschaft für den Kampf gegen Bogue angeheuerte Revolverheldenmiliz für Wildwest-Verhältnisse ausgesprochen multikulturell: Angeführt vom schwarzen Kopfgeldjäger Sam Chisolm (Denzel Washington), gehören dem Siebener-Trupp neben einem großmäuligen Glücksspieler (Chris Pratt), einem posttraumatisch gestressten Bürgerkriegshelden (Ethan Hawke) und einem frömmelnden Trapper (Vincent D'Onofrio) ein mexikanischer Desperado (Manuel Garcia-Rulfo), ein fernöstlicher Messervirtuose (Byung-hun Lee) und ein junger Comanche-Krieger (Martin Sensmeier) an.

Eine solche Mischung könnte Anlass zu einer Reflexion über Rassismus sein; in diesem Sinn hat etwa Quentin Tarantino seine Figuren in „Django Unchained“ und „The Hateful Eight“ zusammengestellt. Hier jedoch fehlt jedes Interesse für den individuellen Hintergrund der Charaktere und ihren Platz in der Gesellschaft, was den Verdacht nährt, die Diversität sei vor allem dem scheelen Blick auf die globalen Marktchancen geschuldet.

Viel ist vom Vorbild nicht übrig

Sieben Söldner werden mit der Verteidigung eines Dorfes gegen einen übermächtigen Aggressor beauftragt – viel mehr als diese simple Grundstruktur, ein paar typische Zeilen („Wenn Gott nicht wollte, dass sie geschoren werden, hätte er sie nicht zu Schafen gemacht“, sagt der Schurke über seine Opfer) und James Horners Score, der Elmer Bernsteins unverwechselbares Original variiert, ist vom Sturges-Vorbild nicht übrig.

Warum also wird Fuquas Film – ein actionlastiger, stargespickter und ansonsten öder Western – dann überhaupt als Remake verkauft? Weil in Hollywood derzeit offenbar nur eines gilt: Hauptsache, das neue große Ding hat irgendwo in der Filmgeschichte einen erfolgreichen Namensvetter.

In 26 Berliner Kinos; OV: Alhambra, Cinestar Sony Center, Colosseum, Imax, Karli; OmU: Kulturbrauerei, Rollberg

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