Im Kino: "God of Happiness" : Ihr Galgenvögel!

Charmantes Doppelspiel: „God of Happiness“ von Dito Tsintsadze zeigt den erfolglosen Statisten Giorgi, der auf einmal den betuchten Künstlervater mimen muss, als seine Tochter wieder in sein Leben tritt.

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Tina ( Tina Meliava) überrascht ihren Vater Giorgi ( Lasha Bakradze, r.) und dessen Mitbewohner Ngudu ( Elie James Blezes, hinten links)
Tina ( Tina Meliava) überrascht ihren Vater Giorgi ( Lasha Bakradze, r.) und dessen Mitbewohner Ngudu ( Elie James Blezes, hinten...Foto: Filmstar

Irgendwann reicht’s! Dann läuft das Fass über, dann wird der ganze Mist zu viel. Giorgi (Lasha Bakradze) hängt am Galgen. Gerade hat man ihn, den Statisten in einem Weltkriegsdrama, gehenkt – und nun muss er auch noch, als Leiche im Bildhintergrund, mit ansehen, wie der arrogante Hauptdarsteller in seiner Partisanenrolle brilliert. Dabei hätte Giorgi selber, der georgische Einwanderer, die Rolle schon qua Staatsangehörigkeit verdient! Doch langsam schwant ihm: Die Crew lässt ihn hängen.

Ausgerechnet „God of Happiness“ hat der georgische Regisseur Dito Tsintsadze seinen melancholischen Film genannt. Den Glücksgott – eine afrikanische Kultfigur – hatte Giorgi kurzerhand verscherbelt, als er pleite war. Er haust in einer Baracke in einem Industriegelände, durch den Vorgarten verläuft der Straßenstrich. Neben seinen Komparsenjobs verdingt er sich als Zuhälter und lässt seinen Mitbewohner Ngundu (Elie James Blezes) anschaffen. Als „afrikanischen Traum“ vermittelt er ihn an Stuttgarter Sado-Maso-Rentnerinnen und macht die restlichen Götterfigurinen zu Geld. Stoisch erträgt Ngundu sein Schicksal.

Wunderbare Lakonie

Als Giorgis Tochter Tina (Tina Mediava) ihren Vater nach zehn Jahren Funkstille besucht, steht dem glücklosen Mimen die schwerste Rolle bevor: Mithilfe von Ngundu und der durchgeknallten Schauspielerin Mia (Natascha Brennicke) spielt er den gut betuchten Künstlervater. Doch auch Tina spielt mit gezinkten Karten. Das Doppelspiel ist so charmant wie das Happy End: Der Kampf ist verloren, aber immerhin vorbei.

Ähnliche Themen hatte Tsintsadze schon früher in Filmen verwandelt: In „Lost Killers“ (2000) hangelt sich eine Gruppe Migranten durch den deutschen Alltag, und „Schussangst“ (2003) erzählt von Vorspiegelungsversuchen, die tragikomisch scheitern. „God of Happiness“ bezaubert, vor allem in der ersten Hälfte, durch wunderbare Lakonie. Wozu strahlende Helden? Ans Herz wachsen einem die anderen, die dem Pech ein Schnippchen schlagen.

Cinestar Treptower Park, Zukunft

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