Im Kino: "Office Christmas Party" : Flurfunken

Schrille Festtagskomödie: In „Office Christmas Party“ mit Jennifer Aniston und Jason Bateman dreht sich alles um eine orgiastische Weihnachtsfeier im Großraumbüro.

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Szene aus "Office Christmas Party".
Einmal im Jahr rasten alle im Büro aus: Szene aus "Office Christmas Party"Foto: Constantin Film

Wow, die verrückten Amis führen aber schrille Teile im Gastrobedarf! So ein mit erigiertem Penis als Zapfhahn aufwartender Eggnogg-Spender aus Eis schmückt jede Weihnachtsfeier. Und wenn ein technischer Direktor wie Josh Parker (solide: Jason Bateman) daran saugt, kommt Freude bei der johlenden Belegschaft auf. Von der ist im Alltag der Chicagoer Niederlassung der IT-Firma Zenotec sonst nicht richtig viel zu spüren.

Und als die Firmenchefin Carol Vanstone (schön fies: Jennifer Aniston) auftaucht und damit droht, die von ihrem schluffigen Bruder Clay (T. J. Miller) geführte Bude dichtzumachen, kann nur noch ein Großauftrag die Weihnachtsstimmung retten. Den wollen Clay, Josh und eine Gruppe treuer, sich gegenseitig allerdings bislang wenig grüner Mitarbeiter mittels einer krachenden Oldschool-Orgie an Land ziehen. Sie soll den potenziellen Auftraggeber beeindrucken.

Die Party als systemerhaltende Triebabfuhr

Die aus dem Ruder laufende Weihnachtsparty im Großraumbüro ist spätestens seit Billy Wilders „The Apartment“ ein klassisches Motiv der Filmgeschichte. Stets gezeichnet als anarchisches Bacchanal, als Ausnahmetag, an dem sich aus der uniformen Angestellenmasse plötzlich Individuen mit Sehnsüchten und Träumen schälen. Die Büroparty schleift Hierarchien und schafft neue Lieben und Leben, oder – ähem – eine neue Unternehmenskultur. Und sie wirkt als systemerhaltende, übers Jahr ausgestauten Unmut im Alkohol ertränkende Triebabfuhr.

In „Office Christmas Party“ passiert all das. Und am Ende sind zwei Büroetagen eines Glas- und Stahlpalastes angemessen lustig verwüstet. Doof nur, dass der anti-neoliberale Firmenüberlebenskampf dieser Komödie eine liebliche vorweihnachtliche Solidarität verordnet, die auf Kosten des sinnfreien Getümmels geht. Außerdem lassen die Regisseure Josh Gordon und Will Speck eine zündende Steigerung der Partydramaturgie vermissen. Immerhin: Es wird Friede in Chicago – und der Heiland reitet auf einem Schimmel durchs Büro.

In 16 Berliner Kinos

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