Im Kino: "Rabbi Wolff" : Kauz mit Herz

Warmherzig und heiter: Britta Wauers Dokumentarfilm "Rabbi Wolff" über einen ausgesprochen unkonventionellen Geistlichen.

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In Ascot. Rabbi Wolff und eine gute Freundin machen sich einen schicken Tag beim Pferdewetten.
In Ascot. Rabbi Wolff und eine gute Freundin machen sich einen schicken Tag beim Pferdewetten.Foto: Uli Holz/Edition Salzgeber

Dieser Film musste sein. Rabbiner William Wolff war der heimliche Star in Britta Wauers auf der Berlinale 2011 und im Kino erfolgreichem Dokumentarfilm „Im Himmel, unter der Erde“. Der erzählte vom jüdischen Friedhof Weißensee und den damit verknüpften Schicksalen. Das Bindeglied war ein verschmitztes Männlein, das ebenso fromm wie eloquent und amüsant den Glauben und seine Rituale erläuterte. Über diesen unkonventionellen Geistlichen mehr erfahren zu wollen, war offensichtlich auch für die Regisseurin eine Herzensangelegenheit. Und genau so warmherzig ist ihre stellenweise etwas zu putzig ausfallende Hommage nun auch geraten.

Geboren wurde der Deutsch-Brite 1927 als Wilhelm Wolff in Berlin. 1933 flieht er mit seiner Familie erst nach Amsterdam und dann nach London. Rabbiner will er schon seit Kindertagen werden. Da dem Immigranten aber das Geld fürs Studium fehlt, wird er Journalist und macht Karriere als Parlamentskorrespondent. Das dokumentieren sein Besuch im britischen Unterhaus, Politikerinterviews und ein kurioser TV-Ausschnitt aus Werner Höfers „Internationalem Frühschoppen“, wo Wolff als Gast geladen war. Mit 53 beginnt er doch noch ein Theologie-Studium, wird 1984 ordiniert und amtiert erst in Großbritannien, um dann – mit 75 – als Landesrabbiner von Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin und Rostock das brachliegende jüdische Leben mit russischen Zuwanderern wiederzubeleben.

William Wolff wurde als Wilhelm Wolff in Berlin geboren. Er ist 89 Jahre alt.
William Wolff wurde als Wilhelm Wolff in Berlin geboren. Er ist 89 Jahre alt.Foto: Uli Wolf/Edition Salzgeber

Die Dokumentation zeigt das mühselige, klaglos absolvierte Pendeln des stets mit Riesenplastiktüten bewehrten Kauzes zwischen England und Deutschland. Sein Gemeinde- und Glaubensleben, Hobbys wie Yoga, Fasten in Bad Pyrmont, Pferdewetten in Ascot und Reisen nach Jerusalem oder Amsterdam. Seine gebeugte, mit psychischer Unbeugsamkeit gepaarte Physis trägt jedes Bild. Daheim ist Wolff ein chaotischer Messie, draußen in der Welt ein Sprachgenie und ein durch den eigenen Spaß am Leben glaubwürdig wirkender Inspirator des Glaubens. Kein Wunder, dass der alleinstehende Greis Schlag bei jungen Wissenschaftlerinnen und Fotografinnen hat. Die Grenzen des eigenen Wirkens, die Beschränktheit der menschlichen Existenz erkennt er in selten sonniger, kein bisschen resignativer Klarheit an. Ein kleiner, großer Mann.

"Rabbi Wolff" läuft in den Kinos Bundesplatz, FaF, fsk, Hackesche Höfe, Tilsiter Lichtspiele, Toni, Xenon, Kant.

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