Im Kino: "Ritter Trenk" : Raus aus dem Teufelskreis

Erst bei KiKa, jetzt im Kino: Die Abenteuer des „Ritter Trenk“.

Johannes Metternich
Auf zum Duell. Ritter Trenk kämpft gegen den bösen Wertolt.
Auf zum Duell. Ritter Trenk kämpft gegen den bösen Wertolt.Foto: Universum

Klassenkampf und Geschlechtergerechtigkeit mögen keine gewöhnlichen Themen von Kinder-Animationsfilmen sein – in der Verfilmung von Kisten Boies Geschichte vom kleinen Ritter Trenk geht es jedoch um nichts Geringeres. Gleich zu Beginn muss der Bauernjunge hilflos mit ansehen, wie sein Vater vom bösen Ritter Wertolt willkürlich verhaftet wird. Ein Akt schreiender Ungerechtigkeit – und die Geburtsstunde des Helden.

„Leibeigen geboren, leibeigen gestorben, leibeigen ein Leben lang“, heißt es für die Bauern in Wertolts Reich, doch das will sich Trenk nicht länger gefallen lassen. Er verlässt sein Dorf mit dem festen Willen, seine Familie aus dem Joch der Leibeigenschaft zu befreien. Durch einen Trick gelangt er auf die Burg des Ritters Hans von Hohenfels, um selbst zum Ritter ausgebildet zu werden. Gemeinsam mit seinen Freunden, dem Gauklerjungen Momme Mumm und dem Burgfräulein Thekla, bereitet er sich auf den Kampf mit Wertolt vor und stellt ihn schließlich – bei der Jagd auf einen gefährlichen Drachen.

Der Animations-Kinderfilm von Anthony Power hält sich dicht an Kirsten Boies Buchvorlage und deren Umsetzung in der KiKa-Fernsehserie. Das Drehbuch von Gerrit Hermans verdichtet Boies Stoff geschickt auf rund 80 Minuten Spieldauer, ohne an den falschen Stellen zu sparen: Stringent jagt das Geschehen von einem Höhepunkt zum nächsten – Belagerung, Ritterturnier, Drachenkampf –, legt aber durch Slapstickeinlagen von Wertolts Tölpel-Schergen Matthes und Veit oder die Schlingeleien von Trenks tierischem Gefährten Ferkelchen immer wieder Verschnaufpausen ein. Gegenüber der Fernsehserie ist Wertolt noch eine Spur fieser, Thekla noch schlagfertiger und Trenk noch entschlossener gezeichnet. Und visuell geht die Filmversion erst recht in die Vollen: Trenk zieht durch mal rot-herbstlich glühende, mal düster ruhende Wälder und prächtig verschneite Winterlandschaften, lebhafte Städte und stattliche Burgen bis hin in die riesige Höhle des Drachen.

Wie aber steht’s mit dem Klassenkampf? Die Rollen sind hier klar verteilt: Wertolts Tyrannei und Durchtriebenheit stehen Trenks Rechtschaffenheit und die Kameradschaft seiner Freunde gegenüber – und natürlich setzen sich Letztere am Ende durch. Auch wenn Trenk über ritterliche Tugenden doziert („Ehrlichkeit und Mut!“), gerät die Erzählung doch nie bloß didaktisch, sondern bleibt stets unterhaltsam. Schließlich erreichen Trenk und seine Freunde die Befreiung seiner Familie von der ungerechten Fremdherrschaft – und zudem, auf Anregung Theklas, die Öffnung der Ritterausbildung auch für Mädchen. Wohlan denn, Ritterinnen!

In 18 Berliner Kinos

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben