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Im Kino: "Ruby Sparks" : Ich erfinde dich

29.11.2012 12:55 Uhrvon
Fantastische Geliebte. Ist Ruby (Zoe Kazan) real – und wenn ja, wie sehr? Jungdichter Calvin (Paul Dano) hat sich ganz schön was eingebrockt. Foto: FoxBild vergrößern
Fantastische Geliebte. Ist Ruby (Zoe Kazan) real – und wenn ja, wie sehr? Jungdichter Calvin (Paul Dano) hat sich ganz schön was eingebrockt. - Foto: Fox

Die US-Komödie „Ruby Sparks“ inszeniert einen Männertraum – und lässt ihn auf die Männer los.

Harmlos fängt es an. Wie eine heitere Komödie im Geiste von „My Fair Lady“: Mann mit Spleen (eher steif) formt sich Frau mit Verständnis (gerne lebendig). In diesem Fall geht es um den jungen, etwas neurotischen, vor allem aber einsamen Schriftsteller Calvin (Paul Dano). Seit mittlerweile zehn Jahren leidet er an einer Schreibblockade. Die Worte fließen erst wieder, als ihm im Traum eine junge Frau erscheint. Calvin legt los: ein Roman über eine eigenwillige Frau. Mit roten Haaren und so. Doch plötzlich steht Ruby (Zoe Kazan) leibhaftig in seiner Küche und macht Frühstück. Eine Halluzination? Oder hat Calvin sich die Traumfrau auf den Leib geschrieben?

So weit, so lustig.

Doch die Geschichte schert aus: Ruby macht sich frei. Und gewinnt Eigenleben. Calvin, der immer noch via Schreibmaschine die Macht über sie hat, aber eigentlich nicht mehr Hand an die Tastatur legen wollte, manipuliert sie nun doch. Geht Ruby zu viel aus, macht er sie zum kuschelbedürftigen Heimchen. Wird sie dann depressiv, macht er sie quietsch-fröhlich. Geht sie ihm wiederum auf die Nerven, kommt der nächste Twist – und so weiter, bis zu einer durchaus quälenden Szene. Für Calvin ist Ruby selbstverständlich Teil seiner Geschichte. Dass sie auch eine eigene braucht, sieht er nicht.

Manchmal wirkt „Ruby Sparks“ wie der Pygmalion-Film, den Woody Allen nie gemacht hat. Das Regie-Paar Jonathan Dayton und Valerie Faris allerdings erzählt seine Geschichte mit jener leichten Hand, die schon „Little Miss Sunshine“ (2006) vom Sundance-Festival-Hit prompt zum globalen Überraschungserfolg werden ließ.

Das gelingt zwar oft erstaunlich gut. Am Ende aber fühlt man sich wie nach einem Menü ohne Hauptgang: In die dunklen Gefilde des Narzissmus (und fast jeder, der liebt, tut es auch als Narzisst) wagt sich der Film nur kurz; das Happy End wirkt aufgesetzt. Schade, dass die Filmemacher nicht mehr Mut hatten – so ganz gelingt die Balance zwischen Drama und Komödie nicht.

Dass „Ruby Sparks“ aber überhaupt diese Leichtigkeit gewinnt, ist bemerkenswert, denn er versucht ein ambitioniertes Gedankenspiel: Er dekonstruiert ein ganzes Sub-Genre der romantischen Komödie. Filme wie „Garden State“, „(500) Days of Summer“, „Elizabethtown“ oder „Seeking a Friend at the End of the World“. Filme, in denen die Idealfrau nur ins Spiel kommt, um einen traurigen Mann wiederzubeleben.

Solche Frauenfiguren gibt es schon lange – hier hat sich allerdings ein neuer, raffinierter Typus herausgebildet. Diese Heiligen sind nicht mehr heilig, sondern kommen lebensnah daher, weil sie kleine Fehler haben dürfen. Der Journalist Nathan Rabin prägte dafür den Begriff „Manic Pixie Dream Girl“: ein bisschen manisch, ein bisschen elfenhaft – aber unbedrohlich und stets aufmerksam.

Calvin erfindet seine Ruby wie eine Karikatur dieser Hipster-Feen: Tennisschuhe, Vintage-Kleider, bunte Strumpfhosen, Slacker-Körperhaltung – begabt, aber ohne Ambitionen. Anfangs ist sie nicht mehr als eine dieser aus Geschmackslisten zusammengesetzten Personenmarken, wie man sie von den Selbstdarstellungen via Facebook oder Tumblr kennt. Und dann wird ein Mensch daraus. Hauptdarstellerin Zoe Kazan schrieb das Drehbuch selbst. Der Frust über jene Rollen, die Frauen in Hollywood oft angeboten werden, dürfte dabei eine Triebfeder gewesen sein.

Also alles nur ein literarischer Exkurs? Zum Glück nicht. Während „Ruby Sparks“ mit den Stereotypen spielt, gelingt es dem Film zugleich, für seine Figuren und ihr Treiben einzunehmen – auch das ist ein kleines Kunststück. Und folglich geht es in „Ruby Sparks“ gar nicht um einen Schriftsteller. Oder um Filmklischees. Sondern um die Liebe. Denn da wird noch jeder zum Schöpfer: Wie oft gelingt es schon, dass man etwas anderes liebt als das Bild, dass man sich vom anderen macht?

Cinemaxx, Kulturbrauerei und Moviemento; OV Cinestar SonyCenter, OmU im Central und im fsk.

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