Im Kino: "The Gift" : Besuch eines alten Freundes

Wenn die Fische im Garten plötzlich bäuchlings schwimmen: Joel Edgerton debütiert mit seinem Psychothriller „The Gift“ als Regisseur.

Marta Danowska-Kisiel
Wer ist hier noch gleich der Böse? Robyn (Rebecca Hall), Simon (Jason Bateman) und Gordo (Joel Edgerton) (v.l.)
Wer ist hier noch gleich der Böse? Robyn (Rebecca Hall), Simon (Jason Bateman) und Gordo (Joel Edgerton) (v.l.)Foto: Paramount Pictures

Kennen wir eigentlich die Menschen, die uns am nächsten sind? Der hinterlistige, an Hitchcocks Suspense-Filme erinnernde Thriller „The Gift“ zeigt, dass Geheimnisse aus der Vergangenheit die Wahrnehmung der Liebsten verändern können. Und dass das Böse von einem Moment auf den anderen zurückkehren kann.

Robyn (Rebecca Hall) und Simon Callen (Jason Bateman) beziehen in einem Vorort von Los Angeles ein geräumiges Haus. Simon hat einen neuen gut bezahlten Job, Robyn eröffnet eine Dekorateurfirma. Das Ehepaar wünscht sich sehnlich ein Kind. Alles läuft nach Plan, bis Gordo (Joel Edgerton) auftaucht, ein alter Schulkamerad von Simon. Er drängt sich in das Leben der beiden, hinterlässt Geschenke an der Haustür und kreuzt unerwartet bei Robyn auf, wenn ihr Mann unterwegs ist.

Bis Robyn und Simon beschließen, die missliche Bekanntschaft zu beenden. Mit üblem Ergebnis: Plötzlich schwimmen Fische tot im Gartenteich, der Hund verschwindet, und Robyn hat das Gefühl, dass jemand Fremdes im Haus ist. Schon früh glaubt der Zuschauer zu wissen, wer hier der Böse ist. Geheimnisse aus der Vergangenheit müssen nicht schockierend sein – vielleicht waren es bloß Streiche von Halbwüchsigen. Was aber der eine vergisst, kann das Leben eines anderen für immer überschatten. Und plötzlich ist sich Robyn nicht mehr sicher, ob ihr Ehemann vielleicht nach wie vor jemandes Leben kaltblütig verderben kann.

„The Gift“, das Regiedebüt des Schauspielers Joel Edgerton, der auch das Drehbuch schrieb, erzählt vordergründig davon, wie Stalking das Sicherheitsgefühl untergräbt und schließlich die Privatsphäre im eigenen Refugium zerstört. Aber der Film fragt auch, wie viel Vertrauen die Personen verdienen, denen wir blind vertrauen. Edgerton spielt seinen Gordo als scheinbar leidenschaftslose Figur, nett und gerade deshalb beängstigend. Jason Bateman aber stiehlt ihm die Show, wenn er sich vom einfühlsamen Ehemann in einen knallharten Schuft verwandelt.

Auf dem Filmplakat hält Gordo ein hübsches Päckchen in der Hand. Die meisten Menschen lassen sich gerne beschenken, aber manchmal kann eine nette Gabe vergiftet sein.

Cinemaxx Potsdamer Platz, Cinemotion Hohenschönhausen, Filmpalast Treptower Park, Colosseum

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