Im Kino: "Tour de Faso" : Am Südrand der Sahara

Mitreißend schön:  Der Dokumentarfilm „Tour du Faso“ von Wilm Huygen begleitet ein Radrennen in Burkina Faso.

Anna Polze
Individuelle Initiative. Teilnehmer des Radrennens in Burkina Faso.
Individuelle Initiative. Teilnehmer des Radrennens in Burkina Faso.Foto: Realfiction

Endlos scheint die Straße in der Savanne von Burkina Faso. Flimmernde Hitze auf dem trockenen Asphalt. Verdorrtes Gestrüpp am Wegrand. Doch so abweisend das Klima des Landes, so erfindungsreich seine Bewohner. Aus rostigen Einzelteilen schrauben sie nicht bloß Lastfahrräder zusammen, sondern basteln damit auch an der Verwirklichung ihres Traums: Am Südrand der Sahara startet das größte Radrennen Afrikas.

Der Dokumentarfilmer und Filmwissenschaftler Wilm Huygen begleitet dieses Ereignis – mit dem Kamerablick nicht nur fürs Sportliche, sondern auch für Atmosphärisches abseits der Rennstrecke. Er beobachtet, wie zwei ehemalige Radprofis stolz in Fotoalben blättern, er schaut hin, wie der Tour-Promoter lässig einen Pokal als Aschenbecher benutzt und guckt Plakatmalern bei der Arbeit zu. Das Großevent, das sich das arme Land eigentlich kaum leisten kann, lebt vielfach von Provisorien, vor allem aber von der ansteckenden Begeisterung der Burkinabés.

Natürlich dokumentiert „Tour du Faso“ ebenfalls die sportlichen Etappen des Rennens. Auch einige europäische Teams sind dabei; ihre Hochglanzräder und Neon-Trikots wirken allerdings fremd im roten Staubsand, wie ausgeschnitten aus einer Tour-de-France-Reklame. Wobei irritierend unklar bleibt, ob sich Huygen dem Stirnrunzeln der deutschen Fahrer über die unkonventionellen Burkinabés anschließt oder sich davon distanziert. Auch mancher hingestellte Kommentar eines biertrinkenden Sportlers irritiert. Dabei produziert das Ereignis selbst starke Bilder: Zeltlagerleben statt Luxushotels, handgemachte Plakatwände statt öder Multimediashows, individuelle sportliche Initiative statt taktischer Gruppendynamik. Mitreißend, hinreißend, schön.

In den Kinos Brotfabrik, Filmrauschpalast, Hackesche Höfe, Lichtblick

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