Kultur : In die Nacht

Zum Tod der Musikerin Britta Neander

David Wagner

Früher, das war Teil einer Kreuzberger Legende, war sie Schlagzeugerin bei Ton, Steine, Scherben gewesen. Für die, die bloß Scherben sagen, wenn sie von Rio Reiser und seiner Band sprechen, war sie Teil dieser Legende. Sie hat lange in Freesenhagen, dem Musikerkollektiv, gewohnt und konnte erzählen, wie das Haus dort eines Nachts im Herbst 1977 von der Polizei auf der Suche nach Schleyer und seinen Entführern auf den Kopf gestellt wurde.

Britta saß am Schlagzeug. Britta war die Frau mit den langen, blonden Haaren, die schon auf der Plattenhülle von „Wenn die Nacht am tiefsten ist“ zu sehen sind. Manchmal ist sie allein in den Probenraum an der Warschauer Straße gegangen und hat sich an ihr Schlagzeug gesetzt. Sie hat am Mariannenplatz gewohnt und lange im Kinderbauernhof Adalbertstraße gearbeitet. Sie hat Musik gemacht, in vielen Bands gespielt. Eine von ihnen trug sogar ihren Namen. Man hat sie auf der Bühne gesehen, in Berlin, beim bejubelten Britta-Neujahrskonzert in der Volksbühne 2003. Man sieht sie in dem Film „24 Stunden sind kein Tag“ von René Pollesch. Man sah sie mit der Band Noni und im Popchor, bei den Proben in der alten Maria am Ostbahnhof. Hat Sopran gesungen. Sie kam mit dem Fahrrad über die Brücke. Am Dienstag ist Britta Neander, 48 Jahre alt, überraschend gestorben.

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