Interview mit Steven Soderbergh : „Nichts liegt vor mir. Das ist schön“

Er will aufhören, hat er angekündigt. Keine Filme mehr drehen. Ein Gespräch mit Steven Soderbergh über seine lange Karriere, den Spaß am Twist – und seine plötzliche Entscheidung zu Silvester.

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Steven Soderbergh 2009, am Set von „Contagion“.
Steven Soderbergh 2009, am Set von „Contagion“.Foto: www.fotex.de

Mister Soderbergh, stimmt es, dass Sie mit dem Filmemachen aufhören wollen?

Ja. Ich will ich eine Haut abstreifen, damit eine neue wachsen kann.

Sie haben jahrelang alle neun Monate einen Film fertiggestellt – für Hollywood ein aberwitziges Tempo. Werden Sie das Set nicht vermissen?
Ach, ich bin froh, dass ich nie wieder eine Kamera auf einem verdammten Auto justieren muss. Seit ich zwölf bin, stecke ich Hals über Kopf im Film. Das ist eine lange Zeit, wenn man jeden Tag wie besessen ist. Ich kann dieses Gefühl aber nicht mehr bewahren. Ich trete auf der Stelle. Also sollte jemand das übernehmen, der dieses Gefühl noch hat.

Die Schaffenskrise nach „King of the Hill“ haben Sie doch auch überwunden.
Damals kam ich vom Kurs ab. Aber ich wusste auch, woran das lag, ich arbeitete einfach zu langsam. Diesmal weiß ich nicht, wie sich das Problem lösen lässt. Ich weiß nur: Alles hängt davon ab, ob es mir gelingt, wieder Amateur zu werden.

Wie plant man sein Karriereende?
Ich habe den Ausstieg früh angekündigt, damit meine Mitarbeiter – mit einigen arbeite ich seit Jahrzehnten zusammen – wissen, dass sie anderswo neue Arbeit brauchen. Es wäre nicht fair gewesen, nach Drehschluss einfach das Ende zu verkünden. In diesem fünfjährigen Prozess war manches geplant, anderes Zufall. „Side Effects“ und „Magic Mike“ entstanden schnell und kurzfristig, weil aus anderen Dingen nichts wurde. Ich bin aber sehr zufrieden. Nach den Erfahrungen mit „Che“ wollte ich vor allem, dass meine letzten Filme Spaß machen. Beim Drehen und beim Schauen.

Bis zum Schluss sind Sie bei der Auswahl Ihrer Stoffe für Überraschungen gut.

Unvorhersehbar zu sein, das ist wohl mein Genre. Aber das ist dann auch schon wieder vorhersehbar.

Haben Sie Spaß daran, Ihre Zuschauer zu überrumpeln?
Darum geht es nicht. Das Ende von „Full Frontal“ etwa, für das ich sogar von Freunden angegriffen wurde, war eine spontane Entscheidung. Doch war sie das einzig Richtige. Mich interessierte das Kleingedruckte in dem stillen Vertrag zwischen Regisseur und Publikum: Warum halten wir eine Filmästhetik für realistisch und eine andere nicht? Es ist doch alles fabriziert – und es werden dabei immer kalkulierte Entscheidungen getroffen.

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