Iris Berben ist "Miss Sixty" : Eizellen auf Eis

Lustiger Hormonrausch: In der Alten-Feelgood-Komödie „Miss Sixty“ von Sigrid Hoerner verspürt Iris Berben mit 60 erstmals, was sie vorher nie hatte: Kinderwunsch.

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Kinderwunsch mit 60, kann vorkommen. So geschehen bei Iris Berben in "Miss Sixty".
Kinderwunsch mit 60, kann vorkommen. So geschehen bei Iris Berben in "Miss Sixty".Foto: dpa

Was so eine Kündigung am 60. Geburtstag alles auslösen kann! Da geraten selbst einer toughen Molekularbiologin wie Luise Jansen, hübsch hässlich gespielt von Iris Berben, komplett die Hormone durcheinander und sie verspürt erstmals, was sie vorher nie hatte: einen Kinderwunsch.

Praktischerweise liegen im Institut, an dem sie 40 Jahre wirkte, ohne – von einer verkrachten Affäre mit ihrem Chef Bernhard (schön blöd: Götz Schubert) mal abgesehen – eine einzige Freundschaft zu schließen, noch ein paar ihrer Eizellen auf Eis. Zusammen mit einer Portion Sperma aus dem Internetbestellkatalog könnte das doch die Leere im Leben füllen, denkt die zum Ruhestand verdammte Wissenschaftlerin und leiert das Mama-Projekt im Vertrauen auf neueste Fortpflanzungstechniken an.

Das torpediert der Zufall, der Grinsegott der Screwball-Komödie, in Gestalt des Galeristen Frans Winther, dargestellt von einem ungeahnt albernen Edgar Selge in seiner ersten romantischen Komödiantenrolle. Auch der ist 60 und voll im Hormonrausch, weil schwer in eine Studentin verliebt. Noch. Denn jedem Zuschauer ist sofort klar, was Luise und Frans viel später dämmert: Was sich erst mal hasst, das liebt sich am Ende doch.

Da bleibt Regisseurin Sigrid Hoerner in ihrem Debüt „Miss Sixty“, das das drastisch anschwellende Nebengenre „Alten-Feelgood-Komödie“ bedient, ganz den Regeln treu. Ansonsten entwickelt sich die anfänglich abschreckend krasse Klischeeparade (depperten Chefs hängt Essen im Bart, junge Miezen wollen Sex auf der Bücherleiter, alte Jungfern wohnen noch bei Mutti, bei der Seniorenwassergymnastik dümpelt ein Gebiss vorbei) zur wortwitzigen, warmherzigen und gelegentlich sogar lebensweisen Filmkomödie.

Dazu tragen auch die mit Michael Gwisdek als lakonischem Künstlerfreund des Galeristen und Carmen-Maja Antoni als herzlicher Biologinnen-Mutter stimmig besetzten Nebenrollen bei. Und Berben und Selge als sprödes, erst die jeweiligen Marotten hingebungsvoll pflegendes und schlussendlich lässig einander annehmendes, körperlich überdurchschnittlich gut erhaltenes Liebespaar.

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